Applikation mit fürstlichem Wappenschild des Freiherrn Fidel Josef Franz Anton von Schönau und zu Wehr (1694–1759), Komtur der Malteserkommende Tobel (1735–1784) in Rocaillekartusche

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Evtl. von einem Parament.
Die 1226 von den Grafen von Toggenburg dem Johanniterorden gestiftete Komturei Tobel (Bezirk Münchwilen) war dem Grosspriorat Heitersheim (Landkreis Baden-Württemberg) unterstellt. Der im 11. Jh. gegründete Orden, dessen Angehörige dienende Geistliche und ursprünglich in den Kreuzzügen kämpfende Ritter waren, unterstand seit 1154 direkt dem Papst. Zuvor in Rhodos stationiert, verlegte der Orden 1530 seinen Geschäftssitz nach Malta, weshalb die Johanniter von nun an als Malteser (Malteserorden) bezeichnet wurden. Die Komturei Tobel war eine der vielen Thurgauer Gerichtsherrschaften, der ein Grund- bzw. Gerichtsherr vorstand.
Für Adlige war der Orden attraktiv, was dazu führte, dass die Komtureien (auch Kommenden genannt) herrschaftlich, wie weltliche Rittersitze geführt wurden. Tobel war eine Pfründe des deutschen Adels, auch wenn seitens der Eidgenossen Bestrebungen bestanden, Schweizer in dieser Herrschaft zu positionieren. Die Komture logierten jedoch selten vor Ort in Tobel und delegierten Administration und rechtliche Angelegenheiten einem Verwalter (Obervogt), der aus der örtlichen Führungsschicht stammte.
Im Zuge der Neuordnung aufgrund napoleonischer Dekrete ging die Herrschaft Tobel 1806 unentgeltlich in das Eigentum des Kantons Thurgau über.
Mitte 18. Jh.
H. 10.9, B. 9.7 cm
Messing, graviert; Kupfer, getrieben, graviert, punziert, versilbert
T 915
Markus Brühlmeier, Zwischen Heitersheim und Malta, in: Im Tobel der Busse, Komturei und Strafanstalt Tobel 1226–2014 (Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Bd. 152), 2015, S. 15–78.
Schlagwörter: Herrschaft, Kirche, Kunsthandwerk, Heraldik