Devotionalie in Form eines Steins aus dem Fluss Jordan mit der Darstellung der Taufe von Jesus Christus durch Johannes den Täufer

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Flacher heller eiförmiger Stein mit farbiger Abbildung auf der Vorderseite. Johannes der Täufer in Fellkleidung steht am Ufer des Flusses mit einem Kreuzstab in seiner linken Hand, seine Rechte hält er über den im Fluss stehenden Jesus. Der Heilige Geist in Form einer weissen Taube entsendet Strahlen in die Hand von Johannes und weiter zum Kopf von Jesus.
Rahmung aus goldfarbener und roter Linie, oben das Jerusalemkreuz mit einem grossen Kreuz und je einem kleinen Kreuz zwischen den Kreuzbalkenhälften. Die fünf Kreuze stehen für die fünf Wundmale von Jesus Christus. Um Linienrahmung Kranz aus Olivenblättern (Symbol des Friedens und der Hoffnung).
Rückseite mit Aufschrift «Stone from the Jordan 1895», «Pahompio»(?).
Seit dem 4. Jh. reisten Pilger zu den ältesten Gedenkstätten des Christentums ins Heilige Land, d. h. in den Nahen Osten ins heutige Gebiet von Israel, des Gazastreifens und Westjordanlands (Palästina), von Jordanien, Syrien und Ägypten und Irak. Im 14. Jh. übertrug der Papst den Franziskanern die Pflege und Verehrung der heiligen Stätten. Aufschwung erfuhr die Wallfahrt dorthin im 19. Jh., was zur Gründung von Vereinen führte, die Pilgerreisen in den Nahen Osten organisierten. Deutsche Katholiken gründeten 1855 den Verein vom Heiligen Grab und 1885 den Palästina-Verein der Katholiken Deutschlands, die sich 1895 zum Deutschen Verein vom Heiligen Land zusammenschlossen. Neben der Begleitung der Pilger vor Ort baute diese Organisation Kirchen und Hospize für die Reisenden. In der Schweiz formierte sich 1901 der Verein schweizerischer Jerusalempilger, der 1919 in Heiligland-Verein umbenannt wurde. 1903 fand die erste schweizerische Volkswallfahrt in den Nahen Osten statt, an welcher 515 Pilgernde teilnahmen. Zur Reise gehörten Ausflüge zu den Plätzen, an denen Jesus Christus gemäss der Bibel wirkte, wie zur Stelle am Fluss Jordan, wo Jesus Christus von Johannes dem Täufer die Taufe empfing und vom Geist Gottes in Form einer Taube beseelt und zum Messias (der Gesalbte) erwählt wurde. Diese Szene schildert der Evangelist Matthäus (Mt 3,13–17). Der Ort, wo das öffentliche Wirken von Jesus begann, suchen Christen seit Jahrhunderten auf und lassen sich im Jordan taufen. Allerdings verrät die Bibel nicht, an welcher Uferstelle die Taufe von Jesus stattgefunden haben soll. Deshalb haben sich im Verlauf der Jahrhunderte mehrere Wallfahrtsorte entwickelt, die auf die Antike zurückgehen und für sich in Anspruch nehmen, die historische Taufstätte zu sein: Qasr al-Yahud im Westjordanland am Westufer des Jordans und das gegenüberliegende Al-Maghtas in Jordanien am Ostufer des Flusses sowie Jardenit (Yardenit) in Israel am See Genezareth.
In den Wallfahrtsorten konnten sich die Pilger mit Andenken und Devotionalien eindecken.
1895
H. B. T.
Stein, bedruckt (?), bemalt
T 38695
Rolf Weibel, Heiliges Land, Schweizerische Kirchenzeitung, Nr. 38, 2001. https://www.kath.ch/skz/skz-2001/leit/le38.htm, aufgerufen am 05.02.2024.

Gretel Rieber, Wo Palmen ihre Fächer öffnen, Deutschlandfunk, 05.05.2007. https://www.deutschlandfunk.de/wo-palmen-ihre-faecher-oeffnen-102.html, aufgerufen am 05.02.2024.

https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philhist/professuren/kunst-und-kulturgeschichte/europaische-ethnologie-volkskunde/exkursionen/israel/jerichojordan-die-taufstelle-jesu-als-handlungsort-der-evangelie/#:~:text=, aufgerufen am 15.02.2024.

Boris Schlüssel, Geschichte, Am Anfang stand ein über 500-köpfiger Pilgerzug nach Jerusalem, 120 Jahre Schweizerischer Heiligland-Verein. https://heiligland.ch/ueber-uns/geschichte/, aufgerufen am 12.04.2023.
Schlagwörter: Hauswirtschaft, Reisen, Andenken, Religion, Brauchtum