Fotografie: Denkmal mit Marmorskulpturen «Monumento Rossi» auf dem Monumentalfriedhof Staglieno in Genua vom italienischen Bildhauer Giuseppe Benetti (1825–1914), aus der Fotografie-Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

zurück

Reisesouvenir in Form einer frühen Schwarz-Weiss-Fotografie des 1878 erstellten Grabmals der genuesischen Bankiersfamilie Rossi. Szene aus lebensgrossen steinernen Skulpturen mit zwei Trauernden und einem Engel vor der erhöhten pyramidenförmigen Grabpforte mit verschlossener bronzener Türe. Die beiden Frauen legen einen Kranz nieder, daneben sitzt ein Engel auf den Stufen. Über der Türe prangt das ovale Porträt der verstorbenen Person, umrahmt von einer Blumengirlande (Feston).
Fotografie mit hervorgehobenen Weisstönen der Gestalten im Gegensatz zur Schwärze der Grabpforte.
Bildunterschrift: «3158.», «Genova. Camposanto. Mon. Rossi (Benetti)», «A. Noack Genova».
Der weitläufige Monumentalfriedhof Staglieno befindet sich ausserhalb von Genua im nördlichen gleichnamigen Stadtteil an einem Berghang. Vom Architekten Carlo Barabino (1768–1835) im Jahr 1835 entworfen, wurde der Bau von seinem Mitarbeiter Giovanni Battista Resasco (1798–1871) umgesetzt, 1851 eröffnet und in den 1870er- bis 1890er-Jahren erweitert. Die Architektur berücksichtigte nicht nur die topographischen Gegebenheiten, sondern widerspiegelte auch die sozialen Schichten und Hierarchien in der Stadt Genua. So führen vom Pantheon, einem neoklassizistischen Rundtempel am Haupteingang, Bogengänge mit mehrstöckigen Grabkammern weg, die den Mitgliedern weniger wohlhabender Schichten als letzte Ruhestätte dienten. Gut situierte Familien errichteten ihre Familiengruften in den steileren Bergflanken, eingebettet in einen pittoresken Landschaftspark. Am Fuss des Hügels liegen in Galerien und Kolonnaden (Säulengängen) die Gräber des begüterten Bürgertums und des Adels, die mit aufwändig gestalteten Skulpturen ausgestattet sind. Im Stil des bürgerlichen Realismus des 19. Jhs. stellen die steinernen Denkmäler oftmals lebensgrosse, realistisch wirkende Figuren als Abbild der Toten und ihrer Hinterbliebenen dar und zelebrieren eine öffentliche Zurschaustellung der Trauer. Der Friedhof ist heute Ruhestätte und Museum zugleich, mit Werken der Bildhauerei aus dem Neoklassizismus, der Spätromantik, dem Naturalismus, dem Symbolismus bis in die Zeit des Jugendstils und des Art Décos. Öffentliche Führungen in mehreren Sprachen sowie detaillierte Karten der einzelnen Friedhofssektoren und der dortigen Gräber erleichtern den Besuchern die Navigation durch den Monumentalfriedhof.

Alfred Noack (1833–1895), ein deutsch-italienischer Fotograf, studierte Druckgrafik (Xylografie) an der Kunstakademie in Dresden und liess sich 1856 in Rom nieder, wo er Mitglied des Deutschen Künstlervereins wurde. 1860 zog er nach Genua und eröffnete eine Fotowerkstatt in der Gasse «Vico del Filo» in der Nähe des Hafens. Seine Fotografien der italienischen Riviera prägten das beschauliche Italienbild seiner Zeit, wobei sich Noack von Konventionen der Landschaftsmalerei inspirieren liess, weshalb seine Fotografien oft Bauern und Weidevieh zeigen. Zudem interessierte den Fotografen das öffentliche Leben der Stadt Genua wie auch die Grabdenkmäler in Staglieno, wo sich seine Ruhestätte befindet. Nach Alfred Noacks Tod übernahm zuerst sein Sohn Ernesto Gualtiero (1867–1903) das Unternehmen. Über den Fotografen Carlo Paganini (1857–1926) gelangte das Negativarchiv mit circa 4000 Negativen 1926 in den Besitz der Stadt Genua.
Noack, Alfred (1833–1895), deutsch-italienischer Fotograf
ab 1878/vor 1895
H. 39, B. 30 cm, Bildmass H. 28.5, B. 22.5 cm
Schwarz-Weiss-Fotografie auf Albuminpapier, geklebt auf Karton
T 38644.280
Giovanni Minuto, Staglieno. Guida del visitatore, Genua 1883, S. 93.

Ferdinando Resasco, La necropoli di Staglieno, Genua 1892, S. 215.

Un archivio di immagini per Genova. Le fotografie di Alfred ed Ernesto Noack, in Genova e l'Europa continentale, Cinisello Balsamo 2004.

memoria fotografica, Italienbilder aus der kunsthistorischen Fotothek, Begleitheft zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg 14.11.2014 bis 24.01.2015, Heidelberg 2014.

Vivere d'immagini: fotografi e fotografia a Genova, 1839-1926, Mailand 2016.

Hannah Malone, Architecture, Death and Nationhood. Monumental Cemeteries of Nineteenth-Century Italy, New York 2017.

Elisabetta Papone, Alfred Noack. https://luminous-lint.com/app/photographer/Alfredo__Noack/A/, aufgerufen am 08.12.2023.

Comune di Genova, Cimitero Monumentale di Staglieno, https://staglieno.comune.genova.it/it, aufgerufen am 22.07.2024.

Comune di Genova, Rossi, https://staglieno.comune.genova.it/it/node/1477, aufgerufen am 22.07.2024
Schlagwörter: Hauswirtschaft, Wohnen, Andenken, Fotografie, Skulptur, Tod