Fotografie: Gemälde «Maria mit Kind und vier Senatoren» vom italienischen Maler Jacopo Tintoretto (1518/19–1594), aus der Fotografie-Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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  Bildausschnitt

Reisesouvenir in Form einer frühen Schwarz-Weiss-Fotografie einer religiösen Szene, gemalt 1553.
Bildunterschrift Gesamtdarstellung: «503 – VENEZIA R. Accad. Tintoretto J. – Vergine col bambino e quattro Senatori [Rip. Interd.] NAYA Venezia».
Bildunterschrift Ausschnitt: «199 – VENEZIA R. Accad. Tintoretto J. – Vergine col bambino e quattro Senatori (det.) [Rip. interd.] NAYA Venezia.».
Das Werk gehört zur Sammlung des 1882 eröffneten Kunstmuseums «Gallerie dell’Accademia», welche aus der «Accademia di belle arti di Venezia», einer Kunstakademie für Malerei und Skulptur hervorging. Am Südufer des Canale Grande gelegen, ist das Museum in den ehemaligen Gebäuden der Bruderschaft «Santa Maria della Carità» untergebracht.

War im 18. Jh. vornehmlich der Adel auf Bildungsexpeditionen unterwegs, entwickelte sich im 19. Jh. ein Tourismus für breite Kreise, die Schwarz-Weiss-Fotografien als Erinnerungsstücke mit nach Hause brachten. Idyllische Naturansichten, antike Ruinen, Stadtveduten oder Aufnahmen von bekannten, vor Ort besichtigten Kunstwerken waren beliebte Motive. Das Geschäft mit den Lichtbildern florierte und deren Nachfrage befeuerte die rasante technische Entwicklung der Fotografie.

Carlo Naya (1816–1882), ein italienischer Reise- und Architekturfotograf, war für seine Gebäudeaufnahmen und Stadtveduten von Venedig bekannt. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Pisa ermöglichte ihm eine Erbschaft längere Reisen in Europa, Nordafrika und Asien. 1857 eröffnete er ein Fotoatelier in Venedig, das nach seinem Tod fortgeführt wurde. Neben architektonischen Motiven fotografierte er den Alltag der mittellosen Bevölkerung Venedigs wie beispielsweise den Schreiber für die Analphabeten der Stadt oder einen Zigarettenstummelverkäufer. Den Vertrieb seiner Fotografien übernahm bis zu ihrem Zerwürfnis der aus dem Tessin stammende Erfinder optischer Instrumente und königliche Fotograf Carlo Ponti (um 1822–1893). Nach Nayas Tod wurden die Geschäfte von seiner Frau und ihrem zweiten Ehemann weitergeführt. 1920 kaufte der Verleger und Kunstsammler Osvaldo Böhm die etwa 5000 Negative des Naya Fotoarchivs und eröffnete sein Fotogeschäft «O. Böhm Fotografo-Editore» in Venedig, das bis in die späten 1980er-Jahre aktiv war. Heute befindet sich das Naya-Böhm-Archiv in der Fine Arts Library (FAL) der Harvard Universität (USA).
Naya, Carlo (1816–1882), italienischer Reise- und Architekturfotograf
2. Hälfte 19. Jh.
H. 39, B. 30 cm, Bildmass H. 26, B. 20.5 cm
Schwarz-Weiss-Fotografie auf Albuminpapier, geklebt auf Karton
T 38644.187 / T 38644.196
Elena Roncaglia, Carlo Naya fotografo veneziano, Il ruolo della fotografia del XIX secolo nella rappresentazione del paesaggio urbano, Dissertation, Padua 2009.

memoria fotografica, Italienbilder aus der kunsthistorischen Fotothek, Begleitheft zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg 14.11.2014 bis 24.01.2015, Heidelberg 2014.

Venedig, Florenz, Neapel, Ein fotografisches Reisealbum, 1877, Aufnahmen von Carlo Naya, den Fratelli Alinari und Giorgio Sommer, Frankfurt am Main 2017.

National Galleries Scotland, Carlo Naya. https://www.nationalgalleries.org/art-and-artists/artists/carlo-naya, aufgerufen 29.11.2023.

Fine Arts Library (FAL) Harvard University, Osvaldo Böhm collection of Venetian art and architecture, 1860-ca. 1988. https://hollisarchives.lib.harvard.edu/repositories/19/resources/1179, aufgerufen am 26.02.2024.

Auktionshaus Lempertz, Künstlerverzeichnis Carlo Ponti. https://www.lempertz.com/de/kataloge/kuenstlerverzeichnis/detail/ponti-carlo.html, aufgerufen 16.05.2024.
Schlagwörter: Hauswirtschaft, Wohnen, Reisen, Andenken, Fotografie, Malerei, Religion