Geistliches Würdezeichen: Krümme (Pedum) zum Abtsstab von Placidus Brunschwiler, Abt des Benediktinerklosters Fischingen (1616–1672)

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Pontifikales Insignium des Klostervorstehers, gestaltet mit den vollplastischen Darstellungen der Marienkrönung unter einem Baldachin sowie einer Stifterfigur über seinem Wappen und erhaben gearbeitetem Dekor mit Krabben und Vierblattrosetten. In umlaufender Architektur aus filialförmigen Stützen mit floraler Bekrönung stehen sechs vollplastische Figuren: hl. Georg mit dem Drachen, hl. Sebastian, Johannes der Täufer, Johannes der Evangelist, hl. Konrad (Bischof von Konstanz) und die hl. Scholastika. Ende der Krümme mit plastischem Granatapfel. Vierkantstab der Krümme mit verschiedenfarbigen Steinen geschmückt, wovon ein opaker oranger Karneol und ein farbloser Bergkristall, die beide einen schlichten Tafelschliff aufweisen, aus der Entstehungszeit um 1600 stammen. Bei den anderen Steinen handelt es sich um Ergänzungen des 19. und 20. Jhs. Ursprünglich waren die Steine mit einer Metallfolie unterlegt (foliert), wodurch eine höhere Lichtbrechung der Steine erzielt wurde.
Der Kanton Thurgau hob im 19. Jh. die Klöster auf. Ausser den Konventen Paradies (1838 verstaatlicht) und St. Katharinental (1868 verstaatlicht), wurden 1848 die Klostergüter säkularisiert. Liegenschaften, Mobiliar sowie liturgische Geräte und Textilien kamen zum Kantonseigentum. Im Vorfeld der Verstaatlichung liess der Regierungsrat den ehemaligen Klosterbesitz registrieren und Inventare der Mobilien erstellen. Diese Verzeichnisse belegen heute die Herkunft der klösterlichen Objekte.
In der Folge übernahm der Kanton ausgewähltes Klostermobiliar in seine Kunst- und Antiquitätensammlung. Diese Objekte, wie die Krümme, zählen zu den frühsten Stücken der Museumssammlung.
Beschau der Stadt Biberach an der Riss (Baden-Württemberg) (?)
um 1600 (Krümme)/um 1616 (Figurengruppe)
H. 58, B. 18, T. 18 cm
Silber, gegossen, geschmiedet, teilweise vergoldet, verschraubte Teile, vier- und sechskantiger Hohlstab mit drei Knäufen (Nodi); Glas- und Edelsteine in Kästchenfassung; Emaillierte Wappen
T 84
Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen Bd. 1, Deutschland A-C, Frankfurt a. M. 1922, S. 265. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rosenberg1922bd1/0300/image,info, aufgerufen am 23.03.2024.

Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen Bd. 3, Deutschland N-Z, Frankfurt a. M. 1925, S. 348. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rosenberg1925bd3/0360/image,info, aufgerufen am 13.06.2024.

Dora F. Rittmeyer, Von den Kirchenschätzen der im Jahre 1848 aufgehobenen Thurgauer Klöster, Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Kantons Thurgau (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 76), 1939, S. 1–70.

Albert Knoepfli, Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. 2, Der Bezirk Münchwilen (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Bd. 34), Basel 1955, S. 172.

Bruno Meyer, Die Benediktiner in der Schweiz, Fischingen TG, in: Helvetia Sacra, Bd. 3, Teil 1, Bern 1986, S. 672–710.

Benno Schildknecht, Placidus Brunschwiler, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.01.2003. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D25784.php, aufgerufen am 23.03.2024.
Schlagwörter: Herrschaft, Religion katholisch, Kloster, Kirche, Kunsthandwerk, Gerät