Gemälde: Dorfszene in Arusha, Tansania (Ostafrika)

zurück

Querformatige Malerei, ausgeführt mit schnellen Pinselstrichen im impressionistischen Stil.

Belebte Dorfszene mit strohbedeckten Hütten, die Nyumba (Swahili für Haus/Hütte) genannt werden, und zahlreichen Figuren in traditionell afrikanischer Kleidung aus langen Gewändern, die Kitenge (Swahili für Stoffstück) oder Shuka (Swahili für Tuch oder Decke) heissen, mehrheitlich in orangen Farbtönen (Lit. Suriano).
Unten rechts Signatur «N. Ronier» oder «N. Rohrer».
Profilierter Zierrahmen, auf Gehrung verbunden, mit umlaufendem Relief aus Weinrebenranken mit Laub und Früchten. Auf der Gehrungsnaht Blätter.
Auf der Rückseite des Zierrahmens sind Reste von italienischen Zeitungen geklebt.
Das Gemälde stammt aus dem Nachlass von August Künzler (1901–1983), welcher 1929–1979 in Tansania lebte.
Laut den mündlichen Überlieferungen seiner Tochter schenkte ein Arzt in Arusha das Bild ihrem Vater. Die Signatur «N. Ronier» oder «N. Rohrer» deutet auf einen europäischen Namen.

Die langen Gewänder der Figuren auf dem Bild trugen Mitglieder der muslimisch geprägten Swahili-Gemeinschaften. Die rechts im Bild erkennbaren, von Männern getragenen roten Hüte sind sogenannte Fes, welche einerseits, ausgehend von den Kleidersitten im Osmanischen Reich, von wohlhabenden arabischen Händlern bis ins 20. Jh. als Statusmerkmal getragen wurden, andererseits über die türkische Armee ab den 1840er-Jahren auch in verschiedenen muslimisch-afrikanischen Armeen als militärische Kopfbedeckung dienten (Lit. Suciu).

Das Festland Tansanias wurde 1880–1919 vom Deutschen Reich besetzt und war unter dem Namen «Tanganjika» eine deutsche Kolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Grossbritannien die Verwaltung des Lands als Völkerbundsmandat und später als UN-Treuhandgebiet. 1961 erlangte das Land die Unabhängigkeit und vereinigte sich 1964 mit dem kurz zuvor ebenfalls unabhängig gewordenen Sansibar zum heutigen Tansania. Im Norden grenzt das ostafrikanische Land an Kenia und Uganda, im Westen an Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo und im Süden an Sambia, Malawi und Mosambik sowie im Osten an den Indischen Ozean (Lit. Britannica).

Arusha wurde 1896 von den Deutschen erobert und war ab 1900 ein deutscher Militärposten. 1904 wurde hier das Fort für die 1. Kompanie der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika gebaut. Diese deutsche Kolonie bestand von 1885 bis 1918 und umfasste die heutigen Länder Tansania, Burundi und Ruanda. Die deutsche Kolonialherrschaft war gewalttätig und repressiv. Es wurden Steuern erzwungen und Zwangsarbeit eingeführt. Wer sich gegen die Kolonialherren zur Wehr setzte, wurde brutal umgebracht (Lit. Bührer).

Als August Künzler in Tansania lebte, war zwar die deutsche Kolonialherrschaft vorbei, die gewalttätige Vergangenheit prägte jedoch weiterhin das wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Wohlergehen der lokalen Bevölkerung (Lit. Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutscher Kolonialismus). Die kolonialen Kräfte haben ihre Wirkung bis heute auf das Leben der Einheimischen, denn sie hinterliessen ein strukturelles und geografisches hochproblematisches Erbe. Bis heute andauernde Landkonflikte gehen auf von den Deutschen angeordnete Vertreibungen ganzer indigener Gemeinschaften aus ihren angestammten Gebieten zurück. Die von den Deutschen eingeführte Monokultur der Exportgüter Kaffee und Sisal hat wirtschaftliche, bis heute bestehende Abhängigkeiten geschaffen und zudem die Böden langfristig ausgelaugt. Selbst das von den Deutschen durch Zwangsarbeit gebaute Bahnnetz diente primär der Exportwirtschaft, war auf den Transport von Rohstoffen und nicht auf den Bedarf der lokalen Bevölkerung ausgerichtet. Heute ist es schwer umnutzbar.

Autorin: Anja Soldat, Ethnologie, 03.07.2026
20. Jh./vor 1979
Zierrahmen H. 35, B. 44, T. 3 cm, Keilrahmen H. 25.4, B. 35.2 cm
Öl auf Leinwand; Keilrahmen aus Tannenholz; Bildrahmen aus Nadelholz und mit Gipsapplikationen, goldbronziert
T 33208
Maria Suriano, Clothing and the changing identities of Tanganyikan urban youths, 1920s-1950s, in: Journal of African Cultural Studies, 2008, S. 95–115.

Tanja Bührer, Die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, Koloniale Sicherheitspolitik und transkulturelle Kriegführung, 1885 bis 1918 (Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 70), München 2011.

Peter Suciu, The Military Fez, https://warfarehistorynetwork.com/article/the-military-fez/, aufgerufen am 19.02.2026.

Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutscher Kolonialismus im Süden Tansanias, https://www.swp-berlin.org/publikation/mta-spotlight41-deutscher-kolonialismus-im-sueden-tansanias, aufgerufen am 21.10.2025.

Britannica, Tanzania, https://www.britannica.com/place/Tanzania, aufgerufen am 29.01.2026.
Schlagwörter: Ethnografica, Malerei, Genre, Geschichte