Glasmalerei: Bildscheibe des Johannes Cramer (Kramer), Zürcher Landschreiber in der Obervogtei Neuamt, mit der Darstellung der Freundschaft Davids und Jonathans

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Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)
Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)

Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)

Die Szene schildert, wie Jonathan den in der Höhle versteckten David (links) durch einen Pfeilschuss (rechts) vor Sauls Zorn warnt. Diese Darstellungen werden durch die über dem Gebälk angebrachten Bildlegenden und den Verweis auf die entsprechende Bibelstelle «I. SAMVEL XX CAP» (1 Sam 20) erläutert.

«Sauls Sohn der From?e Jonathan
Mit David richtet Bündtnuß an
Der ein den andern Liebt ohn Schertz
Alß ob er seÿ Sein eigen Hertz»

«Wahrhafft-getreue Hertzens Fru(e)nd
Solche nicht nur mit Nam?en seind
Sonder im Werck erscheinen das
Wie Jonathan vnd Davidt was»

Vor den seitlichen Pfeilern stehen die allegorischen Figuren der Göttin der Weisheit (links) und der Göttin der Gerechtigkeit (rechts), die mit je einer Inschrift gekennzeichnet sind: links «SAPIENTIA», rechts «IVSTITIA».
Die Obervogtei Neuamt gehörte zum Herrschaftsgebiet der Stadt Zürich und umfasste einen ca. 5 km breiten Landstreifen, der sich links der Glatt von Oberglatt bis zur Mündung des Flusses in den Rhein erstreckte. Sie entstand 1442 durch Abspaltung von der Grafschaft Kyburg. Das Amtsgericht tagte ab der Mitte des 16. Jh. regelmässig in Niederglatt, wo auch die Huldigung entgegengenommen wurde, und setzte sich aus dem Amtsuntervogt, den beiden Amtsweibeln sowie zwölf Richtern zusammen.
Nach 1600 wurden Streitsachen in erster Instanz zumeist von den beiden Obervögten in der Stadt Zürich entschieden, wo ab Beginn des 17. Jh. auch der Landschreiber der Obervogtei seine Kanzlei hatte. Das Amt verfügte über eine Amtsbüchse. 1798 betrug deren Inhalt mehr als 33 000 Gulden. Im Rahmen der damals erfolgten neuen Bezirkseinteilung wurde das Geld unter die Gemeinden der aufgelösten Vogtei verteilt.
1672
H. 25.4, B. 21.2, T. 1.8 cm, Lichtmass: H. 21.2, B. 17 cm
Farbloses Glas; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb und Eisenrot sowie blauer, violetter und grüner Schmelzfarbe
T 22814
https://vitrosearch.ch/de/objects/2659992, aufgerufen am 03.11.2021.
Schlagwörter: Kunsthandwerk, Brauchtum, Hauswirtschaft, Herrschaft, Heraldik, Religion, Allegorie, Landschaft