Glasmalerei: Bildscheibe mit der Dorothea Geilinger, Äbtissin im Kloster Magdenau, mit der Darstellung der Pietà, aus der Glasgemäldesammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)
Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)

Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)

Vor einer hügeligen Wiesen- und Waldlandschaft sitzt in einen blauen Mantel gekleidet die trauernde Maria, mit dem vom Kreuz genommenen Leichnam Christi in ihrem Schoss.
Davor kniet ein blauflügeliger Engel mit den Wappenschilden von Cîteaux und der Äbtissin Dorothea Geilinger.
Rechts daneben hat sich diese selbst in schwarzer Kukulle sowie mit Pedum und Rosenkranz in ihren Händen niedergelassen.
Dorothea Geilinger (gest. 1571) von Winterthur folgte 1550 ihrer Tante Elisabeth Geilinger als Äbtissin des Frauenklosters Magdenau nach. Sie dürfte die Scheibe 1563 entweder für ihr eigenes Kloster oder dasjenige in Tänikon in Auftrag gegeben haben. Im gleichen Jahr bestellte sie bei Bluntschli für das Zisterzienserkloster Wettingen ein identisch komponiertes Glasgemälde mit demselben Bildmotiv. Ein weiteres analoges Glasgemälde liess sie 1567 vielleicht für das Zisterzienserinnenkloster Feldbach bei Steckborn ausführen. Dieses vormals im Schlossmuseum Berlin befindliche Werk wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die erwähnten Beispiele belegen die grosse Beliebtheit, welche solche der meditativen Betrachtung dienenden Pietà-Darstellungen oder Vesperbilder unter den Zisterziensern genossen.
Bluntschli, Niklaus, zugeschrieben (vor 1525–1605), Glasmaler
1563
H. 48.5, B. 36.5, T. 1.5 cm, Lichtmass: H. 42, B. 30 cm
Farbloses und farbiges Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb, Eisenrot sowie blauer Schmelzfarbe
T 6456
https://vitrosearch.ch/de/objects/2659471, aufgerufen am 21.12.2021.

Sarah Keller, Ex situ – Die Sammlung Vincent und ihre Glasgemälde aus dem Thurgau, Licht- und Farbenzauber, Glasmalerei im Thurgau (Denkmalpflege im Thurgau, Bd. 23), 2022, S. 57–67.

Michael Mente, Bares für Rares – Die letzte Äbtissin des Klosters Tänikon, Ebd. S. 69–77.
Schlagwörter: Kunsthandwerk, Brauchtum, Kloster, Heraldik, Porträt, Religion, Landschaft