Glasmalerei: Figurenscheibe von Joachim Gründer, Klostervogt (Verwalter) des Zisterzienserinnenklosters Tänikon bei Aadorf von 153 bis 1545, und seiner Gattin

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Vitrocentre Romont
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Vor blauem Damastgrund steht sich das reich gekleidete Stifterpaar gegenüber. Der seine Gemahlin streng anblickende, mit Schwert und Schweizerdolch bewaffnete Joachim Gründer erscheint in rotem Hemd, weissem Wams, gelben Beinkleidern und weissem Federhut. Seine in der rechten Hand ein Blumensträusschen haltende Frau trägt über ihrem gelben Untergewand eine schwarz gesäumte, weisse Kleidung. Zwei seitliche sowie eine mittlere Säule tragen einen roten Volutenbogen. Zu Füssen des Stifterpaars befindet sich das mit dem Wappen Gründers belegte und beschriftete Podium: «Jochum Grunder, Vogt zu tenikon».
Im Oberbild ist in zwei Szenen die durch antike Historiographen wie beispielsweise Titus Livius (Ab urbe condita II, 12) überlieferte Geschichte des Römerhelden Mucius Scaevola festgehalten. Links ist zu sehen, wie dieser beim Mordversuch am etruskischen Belagerer Roms, Porsenna, versehentlich dessen Schreiber ersticht. Die rechte Szene schildert, wie Mucius Scaevola als Gefangener Porsennas zum Beweis seiner Furchtlosigkeit vor diesem seine rechte Hand im Altarfeuer verbrennt. Davon beeindruckt, hebt Porsenna danach die Belagerung auf und lässt Mucius frei.

Gaius Mucius Scävola ist eine römische Sagengestalt. Als der Etrusker Porsenna Rom belagerte, soll Mucius, bei einem Mordversuch auf diesen gefangen genommen, zum Beweis seiner Furchtlosigkeit seine rechte Hand im Altarfeuer verbrannt haben. Dies und die Versicherung, er sei nur einer von 300 gleichgesinnten Verschwörern, soll Porsenna bewogen haben, die Belagerung aufzuheben und Mucius freizulassen. Mucius erhielt darauf den Beinamen «Scävola» (Linkshand).

Joachim Gründer wurde 1532 von den sieben Orten der Eidgenossenschaft zum Verwalter und Vogt (Schaffner) des Klosters Tänikon gewählt. 1545 wurde er aus diesem Amt entlassen und starb verarmt auf dem Hof Wittershausen.
Schmid, Thomas, zugeschrieben (gest. zwischen 1550 und 1560), Glasmaler
um 1540
H. 44.8, B. 33.2 cm; Lichtmass: H. 41.7, B. 31.2 cm
Farbloses und farbiges Glas; rosarotes und rotes Überfangglas mit vorderseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb
T 3099
https://vitrosearch.ch/de/objects/2655110, aufgerufen am 11.01.2022.
Schlagwörter: Kunsthandwerk, Brauchtum, Herrschaft, Kloster, Heraldik, Porträt, Geschichte, Militaria