Glasmalerei: Fragmentarische Figurenscheibe aus der Kartause Ittingen mit den Heiligen Laurentius, Bruno und Hugo von Lincoln

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Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)
Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)

Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Freiburg i. Ü.)

Der die Mitte einnehmende Klosterpatron, der hl. Laurentius, ist als Diakon in Alba und blauer Dalmatika dargestellt. In seinen Händen hält er den Feuerrost, sein Marterwerkzeug, sowie ein Buch. Begleitet wird er zu seiner Rechten vom hl. Bruno, dem Gründer des Kartäuserordens. In seine weisse Ordenstracht gehüllt, erscheint dieser mit Buch und (Lilien-?)Zweig in seinen Händen, sowie mit Stab und Mitra (Kopfbedeckung von Bischöfen und bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit) zu seinen Füssen, das heisst mit den beiden Insignien, deren Annahme er ablehnte. In die gleiche Tracht gehüllt ist der Kartäuserheilige Hugo von Lincoln auf der gegenüberliegenden Seite. Als Bischof von Lincoln zeichnen ihn Pontifikalstab und Mitra aus. Der Kelch mit dem daraus steigenden Jesuskind in seiner linken Hand bezieht sich auf die Legende, wonach er beim Vollzug der Eucharistie diese Erscheinung gehabt haben soll. Der Schwan zu seinen Füssen soll zudem sein treuer Begleiter und Beschützer gewesen sein.
Weil das Stiftungsjahr sich im später ergänzten Teil der Scheibe befindet, lässt sich das originale Mittelbild mit den drei Heiligen nicht exakt datieren. Die drei mit Ittingen verbundenen Heiligen bestätigen, dass es sich um eine Stiftung der Kartause handelt. Der hl. Bruno war der Gründer des Kartäuserordens, der hl. Laurentius der Patron des Klosters und der hl. Hugo von Lincoln der älteste Heilige des Ordens.

1891 erwarb der Historische Verein des Kantons Thurgau mehrere Scheiben an der Auktion in Konstanz, an welcher die Sammlung von Johann Niklaus Vincent (1785–1865) versteigert wurde. Vincent trug in den Jahren von 1816 bis 1865 Glasgemälde und weitere Antiquitäten zusammen.
Der Auktionskatalog wies über hundert Scheiben thurgauischer Provenienz auf.
Allerdings fehlten dem Historischen Verein die finanziellen Mittel für den Scheibenankauf, weshalb er von der Thurgauer Regierung mit CHF 500.– und von der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit CHF 1000.– unterstützt wurde. Auch das Festkomitee des Eidgenössischen Schützenfestes steuerte CHF 500.– bei.
Müller, Paul, zugeschrieben (gestorben 1643) Glasmaler in Zug
um 1630
H. 33, B. 23.8 cm
Farbloses und farbiges Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Aussschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb, Eisenrot und blauer Schmelzfarbe
T 807
https://vitrosearch.ch/de/objects/2656597, aufgerufen am 21.12.2021.
Schlagwörter: Kunsthandwerk, Brauchtum, Kloster, Religion