Glasmalerei: Wappenscheibe des Landschreibers Hans Locher und seiner Gattin Verena Engelhart, mit Johannes dem Täufer und der hl. Verena, die Stadt Frauenfeld im Hintergrund, gestiftet für den Kreuzgang des Zisterzienserinnenklosters Tänikon bei Aadorf, aus der Glasgemäldesammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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Vitrocentre Romont
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Das Stifterpaar kniet mit dem Rosenkranz in seinen Händen andächtig zu Füssen der Heiligen.
Im Hintergrund ist eine weite Landschaft mit der Stadt Frauenfeld dargestellt, nach dem Holzschnitt in Stumpfs Schweizerchronik.
In den kleinen oberen Bogenzwickeln finden sich zwei Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, links die Taufe von Jesus Christus und rechts Salome mit dem Haupt des Johannes.
Hans Locher (um 1500–1586) war wie sein Vater thurgauischer Landschreiber, 1535–1540 Oberkirchenpfleger, 1541 Vogt von Münsterlingen, 1534–1545 Spendmeister, 1550–1556 Mitglied des Grossen und schliesslich bis zu seinem Tod des Kleinen Rats in Frauenfeld. Er beteiligte sich an Stiftungen für die Klöster Tänikon und Kalchrain sowie für das Spital Frauenfeld. 1562 leitete Locher den Wiederaufbau von Kalchrain. Papst Pius VI. ernannte ihn 1569 zum Pfalzgrafen.
Das Ehepaar stiftete die vorliegende Scheibe in den Kreuzgang von Tänikon.
Als Landschreiber hatte Hans Locher oft mit dem Kloster Tänikon zu tun. 1548, als das Kloster nach der Reformation neu aufgebaut wurde, nahm Locher den Bürgschein der neuen Verwalterin Sophia vom Grüth entgegen. Ausserdem kontrollierte er alljährlich, zusammen mit Landvogt und Landweibel, die Klosterrechnung und war 1555 Schreiber der sieben Orte im Rechtshandel mit den drei Städten Bern, Freiburg und Solothurn hinsichtlich Klosterangelegenheiten.

Die Glasmalerei war an einem der rundbogigen Doppelfenster des Kreuzgangs im Zisterzienserinnenkloster Tänikon angebracht. Je fünf Doppelfenster (mit je zwei Scheiben) befanden sich an der West- und Ostseite des Kreuzgangs sowie je sechs an der Nord- und Südseite, total dürften es 44 Glasgemälde gewesen sein, die den Kreuzgang schmückten.
1832 verkaufte die Äbtissin des Klosters Tänikon, Maria Rutz, die Scheibe dem Sammler Johann Nikolaus Vincent in Konstanz. Dieser trug in den Jahren von 1816 bis 1865 eine stattliche Anzahl Glasmalereien zusammen, die 1891 von seinen Erben versteigert wurden. Das Kölner Auktionshaus Lempertz erwarb damals die Scheibe. Später gelangte sie zum Sammler Jakob Bachmann (1843–1915), dem Besitzer von Schloss Frauenfeld.
Murer, Jos (Jodocus), zugeschrieben (1530–1580), Glasmaler
um 1550
H. 33.2, B. 51 cm; Lichtmass: H. 30.6, B. 48.2 cm
Farbloses und farbiges Glas; rotes beidseitig ausgeschliffenes Überfangglas und blaues vorderseitig ausgeschliffenes Überfangglas; Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb
T 6451
https://vitrosearch.ch/de/objects/2655606, aufgerufen am 17.01.2022.

Sarah Keller, Ex situ – Die Sammlung Vincent und ihre Glasgemälde aus dem Thurgau, Licht- und Farbenzauber, Glasmalerei im Thurgau (Denkmalpflege im Thurgau, Bd. 23), 2022, S. 57–67.

Michael Mente, Bares für Rares – Die letzte Äbtissin des Klosters Tänikon, Ebd. S. 69–77.

Silvia Volkart, Ruedi Elser, Die Glasgemälde im Kreuzgang des Klosters Tänikon – Bilderkatalog, Ebd. S. 79–115.
Schlagwörter: Kunsthandwerk, Brauchtum, Kloster, Herrschaft, Heraldik, Porträt, Religion, Landschaft, Vedute