Glasmalerei: Wappenscheibe vom Eidgenössischen Schützenfest in Thun, Schenkung des Thurgauer Kantonalschützenverbands

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Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Freiburg i. Ü.)
Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Freiburg i. Ü.)

Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann, Freiburg i. Ü.)

Die rechteckige Bildscheibe zeigt den?«Fulehung» (fauler Hund), eine mythologische Figur von Thun. Er ist im Lauf dargestellt, in seiner Rechten hält er einen Stock, an dem Schweineblasen befestigt sind. Im Hintergrund rechts das Thuner Schloss und links ein Stück der Thuner Stadtbefestigung. Unten Aufschrift «EIDGENÖSSISCHES SCHÜTZENFEST», «THUN 1969». Signatur unten rechts, unter dem querliegenden Bein «RS».
Der «Fulehung», eine Narrenfigur, tritt alljährlich im Herbst am dreitägigen Fest zum Abschluss des Schützenjahres, dem sogenannten Ausschiesset, auf. Die Feier mit Schiessanlässen und Umzügen geht auf das 16. Jh. zurück. Die Gestalt mit gehörnter Maske wird durch die Gassen von Thun gejagt, in Erinnerung an das Schicksal des Hofnarrs von Herzog Karl dem Kühnen während der Burgunderkriege im 15. Jh. Gemäss der historisch nicht nachweisbaren Überlieferung sollen die Thuner den Hofnarren des Herzogs solange durch die Stadt gehetzt haben, bis er zusammengebrochen sei. Erst ab dem 19. Jh. ist die Figur schriftlich fassbar.

1835 wurde der Thurgauische Schützenverein gegründet. Zum Gründungskomitee gehörte auch Prinz Louis Napoléon Bonaparte. Der Ehrenbürger des Kantons Thurgau, Bewohner von Schloss Arenenberg und spätere französische Kaiser Napoléon III., wirkte von 1838–1839 als Vorstandspräsident.
2005 erfolgte die Umbenennung vom Schützenverein zum Kantonalschützenverband. Lange Zeit trugen Vereinsmitglieder Andenken und Ehrengaben von Schiessanlässen zusammen und legten ein umfangreiches Archiv an, zu dem Schenkungen und Nachlässe von regionalen Thurgauer Schützenvereinen kamen.

2016 ging der vielfältige Bestand von ca. 500 Objekten (u.a. Scheiben, Fahnen, Waffen, Gefässe, Medaillen) in den Museumsbesitz über. Einzelne Sammlungsstücke werden seit Jahren in der Schützenstube im ehemaligen Gasthaus Adler in Ermatingen ausgestellt.
Schär, Robert (1894–1973), Keramik- und Glasmaler
1969
Lichtmass H. 38.3, B. 30.8 cm
Farbloses, blaues, braunes, graues, gelbes und rotes Glas, Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb, Verbleiung
T 21906
Barbara Schluchter-Donski, Der Fulehung ist noch immer ein Mysterium, Berner Zeitung (BZ) Thun, publiziert am 26.08.2017. https://www.thunertagblatt.ch/der-fulehung-ist-noch-immer-ein-mysterium-516890546440, aufgerufen am 29.01.2024.

https://vitrosearch.ch/de/objects/2712084, aufgerufen am 29.01.2024.
Schlagwörter: Glasmalerei, Hauswirtschaft, Vereinswesen, Waffen, Sport, Anlässe, Andenken, Vedute, Genre, Brauchtum