Grafik: Andachtsbild «Maria Hilf» in der Gestaltung des Jugendstils mit Maria und dem Jesuskind sowie Gebet zu Maria in Gedichtform

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Maria hält den sich anschmiegenden Jesus Christus in ihren Armen. Darunter Blumenbänder mit roten und weissen Rosen (Blumen der Maria) sowie weissen Lilien (Symbol der Reinheit).

Rückseite mit Gebet in Reimform:
«Hilf Maria, es ist Zeit,
Mutter der Barmherzigkeit!
Du bist mächtig uns in Nöthen
Und Gefahren zu erretten;
Denn wo Menschenhilf' gebricht,
Mangelt doch die Deine nicht.
Nein, Du kannst das heisse Flehen
Deiner Kinder nicht verschmähen.
Zeige, dass Du Mutter bist,
Wo die Noth am grössten ist!
Hilf, Maria, es ist Zeit,
Mutter der Barmherzigkeit!
Amen.»
Maria gehört zu den wichtigsten Heiligen, die im Gebet um Hilfe und Beistand ersucht werden. Insbesondere Frauen mit Kinderwunsch richteten ihre Fürbitte an Maria. Der Bildtypus der Maria Hilf-Darstellung betont die innige Beziehung zwischen der Gottesmutter und dem Jesuskind und lässt den Aspekt der Himmelskönigin ausser Acht. Das Gnadenbild «Mariahilf», das Lucas Cranach der Ältere (um 1472–1553) 1537 malte und das zum Hochaltar im Innsbrucker Dom gehört, stellt den Urtypus dieser Marienabbildung dar. Seine Kopien befinden sich heute an mehr als 500 Wallfahrtsorten.

Das Verlagshaus Ars Sacra, das Josef Müller 1896 in München eröffnete, spezialisierte sich auf kunstvoll ausgeführte Gebrauchsgegenstände für die private Andacht. Neben Produkten aus Holz, Gips und Keramik, die Müller vermutlich in seiner Heimat Tirol herstellen liess, lag der Schwerpunkt des Devotionalien-Sortiments auf ästhetisch hochwertig gestalteten Druckgrafiken. Zur Illustration der religiösen Blätter und Schriften kopierte der Verlag Werke alter Meister wie beispielsweise von Fra Angelico, Botticelli, Dürer, Rembrandt und Murillo sowie jener der Nazarener, für deren Reproduktion sich der Verlag in urheberrechtlichen Grauzonen bewegte und auch mal eine Geldstrafe bezahlen musste. Daneben engagierte Ars Sacra zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen. So nahm der Verlag renommierte Maler wie Gebhard Fugel (1863–1939) und Leo Samberger (1861–1949) sowie die bekannte und beliebte Zeichnerin und Illustratorin, die Franziskanerin Maria Innocentia Hummel (1909–1946), unter Vertrag.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Vermutlich Ars Sacra, Josef Müller Kunstanstalten, Verlag für religiöse Schriften in München, gegründet 1896 in München
Anfang 20. Jh.
H. 10.7, B. 4.8 cm
Lithografie auf Papier mit Prägedruck
T 30196
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Birgit Franz, Constanze Lindner Haigis, 100 Jahre Ideen, 1896–1996, Ars Edition, München 1996.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 87–93.

Nele Wree, Das Kleine Andachtsbild, Graphik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Museum Schnütgen, Auswahlkatalog, 2004, S. 59–63, Nrn. 4–6.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Symbol