Grafik (Faltblatt): Kleines Andachtsbild mit der Darstellung der Pietà in der Kapelle Klingenzell, Gebet für die Wallfahrenden

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Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Hochformatiges Faltblatt mit farbiger Fotografie vom Vesperbild.
Auf den Innenseiten Gebet mit Überschrift: «Unsere Liebe Frau von Klingenzell über der Grenze» / «Vesperbild 1. Hälfte des 14. Jahrh.»

«Lasset uns beten! Allmächtiger Gott, der Du die Mächtigen stürzest und die Niedrigen erhebst, die Hungernden erfüllst und die Reichen leer ausgehen lässt, nach Deinem Ratschluss wird Maria, die freuden- und schmerzensreiche, selig gepriesen, weil sie geglaubt und das göttliche Wort, Deinen ewigen Sohn empfing. Durch Ihn wird das Geheimnis Deiner Kirche in Maria am vollkommensten offenbar. Blicke gnädig auf uns, Deine und ihre Kinder, die vertrauensvoll zu Deinem Heiligtum ziehen. Lass uns am Vorbilde Marias und durch ihre Fürbitte bei Christus, ihrem göttlichen Sohn, das Geheimnis Deiner Kirche, der Gemeinschaft und Mitwirkung aller in Dir, lebendig erfassen und beherzigen. Löse die unnötige Engherzigkeit unter den Christen verschiedener Bekenntnisse, als auch unter den Angehörigen verschiedener Nationen. Lass den durch unsere Zwietracht gepeinigten und verzerrten Leib des Herrn, der in den Schoss Marias gelegt wurde, in der Kirche wieder glorreich auferstehen. Und wie dieses Heiligtum über der Landesgrenze und über dem Schicksalsstrom vieler Völker steht, so lass auch den Geist aller, die an Christus glauben, über alle menschlichen Grenzen und Feindseligkeiten hinweg, in Dir versöhnt und vereinigt werden. Das möge uns, nach dem Vorbilde Marias und ihrer bräutlichen Liebe zu Jesus in der Deine Kirche leben soll, Deine unendliche Barmherzigkeit bald erfüllen lassen, damit Du durch Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn, und im Hl. Geiste, zum Schicksal jenes Einzelnen und aller Völker geworden, von allen auch erkannt und verherrlicht werdest, von nun an bis in alle Ewigkeit. Amen.»

Genehmigungsklausel: «Mit kirchlicher Approbation».
Gemäss einer Sage, soll Freiherr Walter von Hohenklingen um 1320 das Gotteshaus Klingenzell gestiftet haben. Als Gelübde an seine Rettung bei einer Jagd liess er die Kapelle «Sieben Schmerzen Mariä» zu Ehren der Muttergottes erbauen. Durch weitere Zuwendungen entstand eine Propstei, die von Pilgern aufgrund des Gnadenbildes «Schmerzhafte Mutter vom Trost» gerne besucht wurde. Die heutige Wallfahrtskirche wurde 1704/05 errichtet, sowie 1985–1987 aussen und 1992–1994 innen restauriert. Klingenzell ging 1820–1821 in den Besitz des Kantons Thurgau über.

Die geschnitzte und gefasste, ca. 40 cm hohe Skulptur «Schmerzhafte Mutter vom Trost», die sich in einem barocken Schrein auf dem rechten Seitenaltar befindet, stammt aus dem Beginn des 14. Jhs., der Gründungszeit der Kapelle. In Anlehnung an den Stil der dominikanischen Mystik im Bodenseeraum dieser Zeit hält Maria mit sanften andachtsvollen Gesichtszügen den toten, scheinbar schlafenden Körper von Jesus auf ihrem Schoss.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 war die Herausgabe «Kleiner Andachtsbilder» der kirchlichen Zensurstelle, d. h. dem Bischof oder dem Generalvikar des Bistums unterstellt, welcher die Druckerlaubnis für die Blätter erteilen musste, bevor sie in den Verkauf gelangen konnten. Psychologische und sexuelle Themen sowie Darstellungen von Eheproblemen waren nicht erlaubt.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Mitte 20. Jh.
H. 10.5, B. 7.5 cm
Offsetdruck auf Velinpapier
T 30225
Alfons Raimann, Eine Gemeinde – vier Gotteshäuser, in: Mammern und seine Kirchen (Verkehrsverein Mammern, Heimatkundliche Publikation, Nr. 9), 1996/1997, S. 16–17. https://www.dorfverein-mammern.ch/wp-content/uploads/2021/02/Heimatkundliche-Publikation-Nr.-9.pdf, aufgerufen am 14.06.2023.

Erich Trösch, Klingenzell, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.08.2007. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011494/2007-08-20/, aufgerufen am 20.06.22.

Annkristin Schlichte, Marienverehrung im Thurgau - Die Wallfahrtsstätte Klingenzell, in: Umbruch am Bodensee, Vom Konstanzer Konzil zur Reformation (Der Thurgau im Mittelalter, Bd. 3/4), Zürich 2018, S.189–194, Abb. 95.
Schlagwörter: Druckgrafik, Fotografie, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche