Grafik (Faltblatt): Kleines Andachtsbild mit Jesus Christus sowie Gebete zu ihm, zum Heiligsten Herzen Jesu, Maria und Josef, für den Erlass der Sündenstrafen (Ablass) von 100 bzw. 300 Tagen, angeordnet von den Päpsten Pius X. (1903–1914) und Benedikt XV. (1914–1922)

zurück

 Vorderseite  Rckseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Auf der Vorderseite oben unter Spitzbogen eine Darstellung des Heiligsten Herzens Jesu mit Jesus in Halbfigur und ausgebreiteten Armen, auf seiner Brust ein mit Dornenkranz eingefasstes Herz, bekrönt mit Kreuz, hinter Jesus das Kreuz und zwei Leidenswerkzeuge (Heiliger Speer und Schwamm), im Zwickel links das Lamm Gottes und rechts ein Pelikan mit seinen Jungen, beide Darstellungen umgeben von rankenden Weinreben (Symbol des Bluts von Jesus aufgrund seines Opfertods).
Unten fünf Personen in Flammen (Fegefeuer), im Zentrum ovaler Strahlenkranz mit Kelch.
Zwischen den Darstellungen Text: «Mein Jesus Barmherzigkeit! Neue Ablassgebete. den armen Seelen zuwendbar.»

Innenseiten und Rückseite mit Ablassgebeten, welche die Päpste in den Jahren 1906 bis 1913 publiziert haben.

Genehmigungsklausel: «Imprimatur: Friburgi, 15 Aprilis 1927. L. Ems, vic. gen. / Päpstliche Kanisiusdruckerei, Marienheim, Freiburg, Schweiz / Filiale: Kanisiuswerk, Blarerstrasse 18, Konstanz, Baden.» Gut zum Druck vom bischöflichen Kanzler und Generalvikar Ludwig Ems (gestorben 1941).

Die katholische Kirche verehrt seit dem frühen Mittelalter das Heiligste Herz Jesu als Symbol der Liebe. Der Ursprung des Kults geht auf die Worte von Apostel Johannes 19, 33–34 zurück, wonach das durchbohrte Herz die Quelle der Sakramente darstellen würde. In der 2. Hälfte des 19. Jhs. und im 20. Jh. wurde diese Frömmigkeit mittels päpstlicher Rundschreiben verstärkt. Zuletzt bezog sich Papst Benedikt XVI. (2005–2013) in seiner «Enzyklika Deus Caritas est» 2005 auf das durchbohrte Herz Jesu und rief zu einer Erneuerung der Herz-Jesu-Frömmigkeit im Herz-Jesu-Monat Juni auf.
Am ersten Freitag im Monat wird das Herz Jesu gefeiert.
In Österreich und im Südtirol wird der Herz-Jesu-Sonntag am zweiten Sonntag nach dem Fronleichnamsfest mit Prozessionen zelebriert. Unter anderem im Raum Bozen werden Herz-Jesu-Feuer entzündet.

1898 gründete der ehemalige Mitarbeiter des Paulusverlags, der Priester Johannes Evangelist Kleiser (1845–1919) zusammen mit Maria Wellauer aus Lommis eine Schwesterngemeinschaft samt Verlag, einer Druckerei und einer Buchhandlung in Freiburg i. Üe./CH. 1905 wurde aus der Gemeinschaft die Kongregation des hl. Petrus Canisius, indem die ersten Frauen ihr Gelübde ablegten und Maria Wellauer zur ersten Oberin des Ordens erkoren wurde. Das Unternehmen hatte zum Ziel, deutschsprachige katholische Dienstbotinnen in der Westschweiz geistlich zu begleiten, weshalb viele von ihnen der Ordensgemeinschaft beitraten. Zudem strebte der Verlag die Verbreitung katholischer Schriften (Presseapostolat) an, wobei die Schwestern in die Arbeiten einbezogen wurden. Der Orden ist bis heute aktiv, vor allem in Brasilien, wo sich die Ordensleitung befindet.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 war die Herausgabe «Kleiner Andachtsbilder» der kirchlichen Zensurstelle, das heisst dem Bischof oder dem Generalvikar des Bistums unterstellt, welcher die Druckerlaubnis für die Blätter erteilen musste, bevor sie in den Verkauf gelangen konnten. Psychologische und sexuelle Themen sowie Darstellungen von Eheproblemen waren nicht erlaubt.
Kanisus, Verlag und Druckerei in Freiburg i. Üe./CH
1927
H. 12.2, B. 7.9 cm
Holzschnitt und Druck mit Bleisatz auf Velinpapier
T 30338
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 87–93.

Victor Conzemius, Johannes EvangelistKleiser, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.08.2007, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009902/2007-08-20/, aufgerufen am 06.03.2023.

Getrude Friedrichkeit, Jesu-Herz-Verehrung, Religion, Rituale und Symbole heute (Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe Ethnologie, Bd. 2), Marburg 2010.

Urs Vetter, «Für mich ist sie eine Heilige», St. Galler Tagblatt, 15.05.2012.
Schlagwörter: Druckgrafik, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Kommunikation, Symbol