Grafik (Faltblatt): Kleines Andachtsbild, Zielsetzungen und Statuten der Marianischen Bruderschaft «Maria vom Guten Rat» in Schwäbisch Gmünd (DEU), Mitgliederausweis von Josefa Bürkeler aus Romanshorn

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Religiöses Blatt aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Bild der Maria vom guten Rat mit Jesus Christus in einem von Rocaillen geschmückten Rahmen.
Auf Innenseiten und Rückseite Regeln der Bruderschaft sowie Auflagen für die Gewährung von Ablässen und Gebet an Maria vom Guten Rat. Überschrift: «Marianische Bruderschaft und Bunds-Vereinigung unter dem Titel und Schutz Mariae vom guten Rath, ausgerichtet mit hoher Erlaubnis in der Kirch der PP. [Patres = Mönche] Augustiner zu Schwäbisch: Gemund im Jahr 1759.»
Darunter Abschnitte mit den Titeln: «Absehen.», «Regel und Satzungen.», «Vollkommene Ablässe.», «Sieben Jahr und so viel Quadragenen [40 Tage] Ablass.», «Sechzig Tage Ablass.»
Rückseite: «Ablässe für die Abgestorbene.», «Gebeth.»
«Den 16 Monats Januar 1887 ist eingeschrieben worden Josepha Bürkeler in Romanshorn. Der Zettel kommt nach dem Tod zurück.»
Der Urtypus des Gnadenbildes mit der Muttergottes unter dem Titel «Maria vom Guten Rat» befindet sich in der südöstlich von Rom liegenden Augustinerkirche von Genazzano, die seit 1356 den Augustinern unterstellt ist. Die Devotionalie, eine Wandmalerei mit den Massen 45 x 40 cm, wird der Schule von Gentile Fabriano (1250/60–1318) zugeschrieben. Sie wurde im 15. Jh. an der Kirchenwand entdeckt und bewirkte, dass sich der Ort zu einem prominenten Pilgerort entwickeln konnte, den die Päpste seit dem 17. Jh. förderten. 2003 wurde den Wallfahrenden nach Genazzano der Erlass der Sündenstrafen gewährt.
Besonders die Augustiner verehrten den Madonnentypus «Maria vom Guten Rat». So auch in der Augustinerkirche in Schwäbisch Gmünd, wo einer der vier Seitenaltäre der «Maria vom Guten Rat» geweiht war. Am 2. April 1759 erteilte Papst Clemens XIII. der Bruderschaft Beatae Mariae Virginis Boni Consilii auf ihrem Altar in der Gmünder Augustinerkirche Privilegien durch ein Breve.
Bruderschaften waren Bündnisse von Gläubigen beider Geschlechter, oft auch Vereinigungen von Handwerkern und Zünften, die sich dem Totengedenken ihrer Mitglieder widmeten. Als wesentlicher Bestandteil der Volksfrömmigkeit im 18. Jh. standen die Vereinigungen unter der Obhut der katholischen Kirche und wurden an Klosterkirchen eingerichtet sowie mit Ablässen ausgestattet.

Der Augustiner-Eremitenorden liess sich im 13. Jh. in Schwäbisch Gmünd nieder. Kloster und Kirche wurden im 18. Jh. um- und neugebaut, so dass die barocke Gestaltung 1758 abgeschlossen war. Nach der Aufhebung des Klosters Anfang des 19. Jhs. wurde die Augustinerkirche zur evangelischen Gemeindekirche erhoben.

Augsburg entwickelte sich im 18. Jh. zur wichtigsten Metropole des Kupferstichs. Der Kunstverlag Klauber, um 1740 von den Brüdern Joseph Sebastian (1710–1768) und Johannes Baptist (1712–1787) Klauber in Augsburg gegründet, wurde zum führenden europäischen Hersteller für «Kleine Andachtsbilder». Die Kirche schätzte und förderte das katholische Unternehmen, weshalb die Brüder Klauber zu den kurpfälzischen, fürstbischöflich Augsburgischen und fürstäbtlich Kemptischen Hofkupferstechern erhoben wurden. Zu den Eigenheiten ihrer Blätter gehörte eine üppige und detaillierte Bebilderung. Verschiedene Räume mit Szenen, gerahmt von Rocaillen und mit Bildunter- oder -überschrift versehen, sind typische Bestandteile der religiösen Darstellungen, die der Klauberverlag veröffentlichte. Zum Schutz vor unerlaubtem Nachdruck wurde den Augsburger Kupferstechern das kaiserliche Druckprivileg erteilt, was auf den Blättern mit dem Kürzel «C. P. S. C. M.» (cum privilegio Sacrae Caesareae Majestatis) kenntlich gemacht wurde und auch ein Gütesiegel darstellte.

Mond und Sonne wurden bereits in der Antike personifiziert und oft zusammen dargestellt. Im christlichen Mittelalter symbolisiert der Mond Maria, während die Sonne Christus repräsentiert. Die Kombination von Sonne und Mond steht ikonographisch zudem für die Kreuzigung Jesus. Die beiden Gestirne können auch als Sinnbilder für die geistliche und weltliche Macht gesehen werden.
Klauber, (um 1740– um 1840), Kupferstecher und Verleger in Augsburg
um 1759/1887
H. 11, B. 17 cm
Radierung (Bild) und Druck mit Bleisatz auf Büttenpapier (Nachdruck)
T 29594.1
Franz Xaver Bischof, Véronique Mariani-Pasche, Bruderschaften, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.02.2011. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046924/2011-02-03/, aufgerufen am 09.05.2023.

Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg,Findbuch B 177, Schwäbisch Gmünd, Reichsstadt. https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=17040&klassi=021.001.00016.%&anzeigeKlassi=021.001&letztesLimit=50&baumSuche=&standort=, aufgerufen am 09.05.2023.
Schlagwörter: Druckgrafik, Hauswirtschaft, Kunsthandwerk, Persönliche Schreiben, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche