Grafik: Kleines Andachtsbild auf das 1000-jährige Jubiläum der Gnadenkapelle mit der Einsiedler Madonna im Benediktinerkloster Einsiedeln

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Darstellung des Altars in der Gnadenkapelle der Klosterkirche Einsiedeln mit der «Schwarzen Madonna» im Zentrum des Schreins. Davor eine Menschenansammlung.

Rückseite mit Gedichten zu Ehren vom hl. Meinrad und der Einsiedler Madonna:
«Inschriften an der zur tausendjährigen Jubelfeier geschmückten Gnadenkapelle.»

«O Mutter, reich an Macht und Güte,
Du Vielverehrte, Hochbeglückte!
Wir schmücken dir die heil'ge Hütte
Wie sie dein Diener Meinrad schmückte.
O schmück' auch uns'rer Seele Haus
Mit deiner Huld und Liebe aus.

Von Meinrads Blut begossen,
Gepflegt von seiner Vaterhand,
Noch jetzt der Gnade Rosen Sprossen
Auf dem von Gott geweihten Land,
Jahrhunderte wie Spreu verwehen;
Was Gott gepflanzt hat, muß bestehen.

Mir haben Kränze dir gebunden,
O Jungfrau, Mutter, Königin!
Den schönsten hast du hier gewunden
Seit dieses Heiligthums Beginn.
Wohl war die Zeit oft wetterbrausend,
Doch blüht der Kranz schon ein Jahrtausend.

Ein Bächlein war's und wurde ein Strom,
Ein Körnlein war's und wurde eine Eiche,
Eine Zelle war's und wurde ein Dom.
Zwei Kerzen brannten bei Meinrads Leiche,
Die erleuchten und wärmen so wunderbar
Million Herzen schon tausend Jahr.»

Die Gnadenkapelle ist ein katholisches Heiligtum, an deren Standort der hl. Meinrad im Jahr 861 gestorben sein soll. Sie ist eine bedeutende Stätte für die Wallfahrt der Pilger.
Im Jahr 1798 wurde sie von französischen Truppen zerstört und später aus den alten Steinen wieder neu aufgebaut.

Andachtsbilder mit dem Gnadenbild der Einsiedler Madonna entstanden in Anlehnung an die gleichnamige Skulptur in der Klosterkirche Einsiedeln.
Die Statue im weichen Stil der Spätgotik wurde zwischen 1440 und 1465 im süddeutschen Raum geschaffen, vermutlich im Umkreis von Hans Multscher.
Die 117 cm hohe schlanke, leicht nach links gebogene Marienfigur aus Lindenholz mit dem Jesuskind auf dem linken Arm und einem Zepter in der rechten Hand trägt eine Bügelkrone. Das bekrönte Jesuskind hält mit der linken Hand einen Vogel und erteilt mit der Rechten den Segen.
Das schwarze Antlitz und die schwarzen Hände der Madonna, wie auch das Inkarnat vom Jesuskind, waren ursprünglich gefasst. Durch den Rauch und den Russ der Kerzen und Öllampen, welche stets in der engen Heiligen Kapelle brannten, verfärbte sich die Skulptur silberschwarz. Schon im 17. Jh. sprach man von der «Schwarzen Madonna von Einsiedeln».
Aufgrund der Kriegswirren 1798 wurde die Statue evakuiert und gelangte in die Propstei St. Gerold im österreichischen Vorarlberg, wo sie der Fass- und Ziermaler Johann Adam Fuetscher schwarz bemalte.
Seit 1803 steht die Schwarze Madonna wieder in der Gnadenkapelle in Einsiedeln.

Gestanzte und blindgeprägte kleine Andachtsbilder kamen im 19. Jh. auf, wobei Prag und später Paris die führenden Produktionszentren dieser druckgrafischen Devotionalien für die alltägliche persönliche Glaubenspraxis waren. Vorbilder der perforierten Blätter waren die mit geschnittenen Motiven versehenen Bilder aus Pergament oder Papier aus dem 17. und 18. Jh., die wiederum feinen, textilen Spitzen glichen und oftmals von Klosterfrauen angefertigt wurden.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Benziger (1792–1984), Druckerei, Verlag, Lithografische Anstalt in Einsiedeln
1861
H. 11.1, B. 7.3 cm
Stahlstich auf Papier mit gestanztem, gaufriertem Rand
T 30195
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Mathias T. Engels, Das kleine Andachtsbild, Prägedrucke und Stanzspitzenbilder des 19. Jahrhunderts, 1983 Recklinghausen.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 67–77.

Heinz Nauer, Fromme Industrie, Der Benziger Verlag Einsiedeln 1750–1970, Baden 2017.

Heinz Nauer, Benziger Verlag, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.12.2019. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/058085/2019-12-10/, aufgerufen am 14.02.2022.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Kloster, Anlässe, Andenken, Erinnerung