Grafik: Kleines Andachtsbild, Darstellung der Weihnachtsszene mit Heiliger Familie vor dem Stall, Weihnachts- und Neujahrskarte für alle Wohltäter, Freunde und Zöglinge von St. Iddazell, ausgestellt vom Direktor Josef Schmid (1893–1919)

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Religiöses Blatt aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Darstellung der Heiligen Familie mit Jesuskind in der Krippe, umrahmt von Maria, Josef und Engeln, Sternenhimmel und Blumenwiese. Brauner Rahmen mit Wellenlinie und Punkten in goldener Farbe. Bildunterschrift in goldener Farbe auf braunem Grund: «ET VERBUM CARO FACTUM EST IOH 1 14.» (Und das Wort wurde Fleisch Joh 1, 14).

Darunter Angaben zum Hersteller:
«Schola art. Beuron.»
«Kühlen B., M. Gladbach.»

Rückseite mit Bibelzitat aus dem Sirachbuch sowie Widmung:
«Wende Deine Augen von dem Armen nicht ab ... Sei gegen Waisen barmherzig wie ein Vater. Sir. IV, 1.10.»
«Allen Wohlthätern, Freunden und Zöglingen von St. Iddazell zum hl. Christfest und Neujahr 1894. Fischingen. Dr. J. Schmid, Direktor.»
Die Beuroner Schule war eine Künstlervereinigung, deren Mitglieder ab 1868 im Benediktinerkloster Beuron in Baden-Württemberg (DEU) Werke in einem christlich geprägten Kunststil schufen.
Begründer der Gruppe waren die Künstler Peter Lenz (1832–1928) und Jakob Wüger (1829–1892) sowie deren Schüler Fridolin Steiner (1849–1906). Als Benediktinermönche der Abtei Beuron war ihr Ziel, die christliche Kunst, in Anlehnung an die Bestrebungen der Nazarener, zu erneuern. Dabei blieben sie ikonografisch den traditionellen christlichen Motiven treu, während sie sich stilistisch an der ägyptischen, altchristlichen und byzantinischen Kunst orientierten. Die mittels symmetrischer Kompositionen geschaffene Harmonie charakterisierte ihre Schöpfungen, wobei geometrische Formen, betonte Konturen und ein farbiges Kolorit ein wichtiges Stilmittel waren. Oftmals ergänzten christliche Symbole, religiöse Sprüche oder Bibelzitate die Werke.
1875 wurde das Beuroner Kloster aufgrund des anhaltenden Kulturkampfes, eines politisch-religiösen Konflikts zwischen Staat und Kirche, aufgelöst. Daraufhin zogen die Mönche nach Prag, wo sie zuerst das Prager Emmauskloster und 1888 in Smíchov, einem Ortsteil von Prag, das Frauenkloster St. Gabriel gründeten. Inspiriert und angeleitet von Peter Lenz, mittlerweile Pater Desiderius, bestickten die dortigen Schwestern beispielsweise liturgische Gewänder oder malten prächtige Buchmalereien im Stil des Beuroner Vorbilds. Trotz der Wiedereröffnung von Kloster Beuron 1887, blieb Prag das Zentrum der Schule. Während die Ausgestaltung der Mauruskapelle bei Beuron im Jahr 1868 als Anfangspunkt für diese Kunstrichtung gilt, markiert der Tod von Peter Lenz 1928 ihr langsames Ende.
Die Beuroner Künstler schufen neben grafischen Werken Wandmalereien, Plastiken, Mosaike und Goldschmiedearbeiten.

1879 erwarb der katholische Männerverein St. Iddazell das Kloster Fischingen samt Liegenschaften, um darin eine Waisenanstalt einzurichten, die sich im Verlaufe der Jahrzehnte zum Erziehungs- und späteren Sonderschulheim entwickelte. 1974–1976 wurde die Schule aus den Konventsgebäuden ausgesiedelt und im neuen Trakt auf dem Chliberg in Fischingen untergebracht. Die Betreuung der Schüler und Schülerinnen oblag den Schwestern aus dem Kloster Menzingen bzw. ab 1957 bis 1999 aus Melchtal. Ab 1943 übernahmen die Benediktiner aus Engelberg die Schulleitung. Bis 1950 unterrichteten ausschliesslich weltliche Lehrer, danach auch Lehrschwestern und -brüder.
Ab 2010 tauchten in der Schweizer Presse Berichte auf, wonach ehemaligen Schülern und Schülerinnen im Schülerheim Fischingen mannigfache Gewalt angetan worden sei. Deshalb gab der Verein Kloster Fischingen der Beratungsstelle für Landesgeschichte (BLG) an der Universität Zürich den Auftrag, die Vorwürfe zu untersuchen. Der Bericht des BLG vom 31. März 2014 legte die strukturellen und personellen Missstände im Schulheim offen und deckte den Missbrauch sowie die körperliche und sexualisierte Gewalt auf, denen die Kinder ausgesetzt waren.
Beuroner Kunstverlag (*1868), Verlag der Benediktiner-Erzabtei St. Martin zu Beuron (DE)

Kühlen, Bernhard (*1825), Druck- und Verlagshaus in Mönchengladbach
1894
H. 12, B. 7.1 cm, Bildmass H. 11, B. 6.4 cm
Chromolithografie, Buchdruck auf gestrichenem Papier
T 30277
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Harald Siebenmorgen, Die Anfänge der Beuroner Kunstschule. Peter Lenz und Jakob Wüger, 1850 - 1875. Ein Beitrag zur Genese der Formabstraktion in der Moderne, Sigmaringen 1983.

Monica Bubna-Litic, Beuroner Kunst aus Smíchov, https://www.goethe.de/ins/cz/de/kul/mag/23560280.html, aufgerufen am 07.01.2025.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Anlässe, Kloster, Bildungswesen, Staatliche Institutionen