Grafik: Kleines Andachtsbild mit der Abbildung vom Vesperbild «Unserer Lieben Frau von Werthenstein» im Wallfahrtskloster Werthenstein (LU) und Bittgebet

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

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Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Rückseite mit «Gebet zur Schmerzensmutter auf Werthenstein.»:
«O tiefbedrückte, jungfräuliche Mutter Maria! Ich armer Sünder komme mit reumütigem Herzen zu Dir und bitte dich mit kindlichem Vertrauen, du wollest mir durch deine jungfräuliche Mutterschaft in allen Nöten und Anliegen beistehen, gleich wie du liebevoll deinem göttlichen Sohne beigestanden bist, als Er unter unnennbaren Schmerzen Sich Seinem himmlischen Vater am Holze des Kreuzes für uns zum Opfer darbrachte. O gütige Mutter der Barmherzigkeit, verschmähe mich nicht ob meiner schwer drückenden Sündenlast, sondern wende mir gnädig deine barmherzigen Augen zu, denn auch für mich hat dein göttlicher Sohn Sich gewürdigt, aus Liebe zu sterben.
Erinnere dich der Schmerzen, welche du empfunden hast, als du deinen einziggeliebten Sohn tot auf deinem Schosse hieltest und Seine blutigen Wunden mit Tränen heissensten Mitleides benetztest. In diesen mütterlichen Schoss lege ich meine gegenwärtigen Anliegen und bitte dich, o Mutter des Trostes, du wollest mich nicht unerhört von dir ziehen lassen, denn bei dir haben schon viele Trost und Hilfe gefunden, die vertrauensvoll zu dir, der Mutter der Gnade, gekommen sind.
Darum bitte auch ich dich, o schmerzhafte Jungfrau, durch die Wunden Jesu Christi, der dich zu Seiner Mutter erwählt hat, du wolltest für mich am Gnadenthrone Gottes deine allesvermögende Fürbitte einlegen, damit ich von meinen Nöten und Anliegen befreit, mit dir und allen Auserwählten der Anschauung Gottes im Himmel teilhaftig werde. Amen!»

Genehmigungsklausel: «Mit kirchl. Druckerlaubnis.»
«Missionshaus v. d. Hl. Familie, Werthenstein/LU.»

1520 wurde aufgrund einer Engelserscheinung bei der Burgruine Werthenstein die erste Kapelle eingeweiht. Die Wallfahrt dorthin kam ab 1528 in Schwung, dank dem Gnadenbild aus der Kapelle von Frybach (BE), das vom reformatorischen Bildersturm gerettet und in Werthenstein aufgestellt wurde. Die Skulptur, eine geschnitzte Pietà, zog viele Pilger an, was im 17. Jh. zum Bau der Wallfahrtskirche «Unserer Lieben Frau von Werthenstein» und des Franziskanerklosters führte.
Im 17. und 18. Jh. war die Stätte einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte der Schweiz. 1838 hob die Luzerner Regierung das Kloster auf und richtete darin 1840–1847 eine Taubstummenanstalt ein. Von 1909 bis 1980 diente die Anlage den Missionaren des katholischen Ordens der Heiligen Familie als Missionshaus mit Schule und Scholastikat (Studienhaus für angehende Ordensleute). Die Kirche behielt nach 1980 weiterhin ihre Bedeutung als Pfarrkirche und Pilgerziel.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 war die Herausgabe «Kleiner Andachtsbilder» der kirchlichen Zensurstelle, das heisst dem Bischof oder dem Generalvikar des Bistums unterstellt, welcher die Druckerlaubnis für die Blätter erteilen musste, bevor sie in den Verkauf gelangen konnten. Psychologische und sexuelle Themen sowie Darstellungen von Eheproblemen waren nicht erlaubt.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
1910–1920
H. 10.6, B. 6.6 cm
Autotypie und Druck mit Bleisatz auf Velinpapier
T 30334
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Birgit Franz, Constanze Lindner Haigis, 100 Jahre Ideen, 1896–1996, Ars Edition, München 1996, S. 44.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 67–77.

https://www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch/sakrale-orte/kloster-werthenstein/wallfahrt/, aufgerufen am 03.06.2022.

Peter Mulle, Werthenstein, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.10.2013. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000591/2013-10-04/, aufgerufen am 03.06.2022.

https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/luzern/werthenstein-missionare-ziehen-nach-schwyz-ld.100213, aufgerufen am 20.07.2023
Schlagwörter: Fotografie, Druckgrafik, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche