Grafik: Kleines Andachtsbild mit hl. Blasius bei einer Wundertätigkeit und Aufruf zur Spende für den Kirchenneubau

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Auf der Vorderseite Szene aus der Vita des Heiligen im Pontifikalgewand, ein Kind heilend, welches eine Fischgräte verschluckt hat. Um den Heiligen steht eine staunende und andächtige Menschenmenge. Hinter ihm ein römischer Soldat mit Hund. Bildunterschrift: «Heiliger Bischof und Martyrer Blasius, bitt für uns!»
Auf den Innenseiten Angaben zur Vita von Blasius sowie am Schluss des Textes der Bezug zu Mammern. «Auch Mammern wählte vor Jahrhunderten den heiligen Blasius zu seinem Patrone und weihte ihm die Pfarrkirche. Möge die neue St. Blasius-Pfarrkirche das Vertrauen und die Andacht zu diesem mächtigen Patrone fördern, damit Gesunde und Kranke in ihren Anliegen durch seine Vermittlung bei Gott Trost und Hülfe finden.»
Genehmigungsklausel: «Mit Druckbewilligung des hochw. Bischofs von Chur.»
Rückseite mit der Abbildung des Entwurfs vom Kirchengebäude, das von August Hardegger 1906 vorgeschlagen, aber nicht gebaut wurde. Bildunterschrift: «Baustein zur neuen St. Blasius-Pfarrkirche in Mammern: Herzliches Vergelt’s Gott!» Die gepunkteten Linien könnten dazu gedient haben, handschriftlich einen Geldbetrag (Spende für den Bau, hier Baustein genannt) und den Spendernamen einzutragen. Das ausgefüllte Blatt wurde dem Pfarrer ausgehändigt, der die Gönner in seine Gebete einschloss.
Blasius von Sebaste (Türkei), gestorben um 316, war Arzt und Bischof. Aufgrund seines Glaubens soll er im Gefängnis einen Jungen mit verschluckten Fischgeräten vom Erstickungstod gerettet haben. Der Heilige erlitt einen Märtyrertod. Seit dem 9. Jh. ist er der Schutzheilige der Ärzte und Wollweber und seit dem 14. Jh. einer der Vierzehn Nothelfer.

Die erste Pfarrkirche in Mammern aus dem Mittelalter wurde sowohl für den katholischen wie auch für den reformierten Gottesdienst genutzt. Da sie sich in einem schlechten Zustand befand, gab es Anfang des 20. Jhs. Pläne zu einem Neubau. Zur Diskussion stand der Entwurf von 1906 des St. Galler Architekten August Hardegger. Das vorliegende Blatt zeigt auf der Rückseite sein Bauprojekt im neubarocken Stil, das nicht ausgeführt wurde. Am 7. April 1909 brannte die mittelalterliche Kirche ab. Die paritätischen Verhältnisse wurden in der Folge aufgehoben und das neue katholische Gotteshaus noch im selben Jahr vom Frauenfelder Architekten Albert Rimli entworfen. Die Bauarbeiten erfolgten 1912–1913 und am 19.04.1915 wurde die Kirche eingeweiht.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 war die Herausgabe «Kleiner Andachtsbilder» der kirchlichen Zensurstelle, das heisst dem Bischof oder dem Generalvikar des Bistums unterstellt, welcher die Druckerlaubnis für die Blätter erteilen musste, bevor sie in den Verkauf gelangen konnten. Psychologische und sexuelle Themen sowie Darstellungen von Eheproblemen waren nicht erlaubt.
Benziger (1792–1984), Druckerei, Verlag, Lithografische Anstalt in Einsiedeln
um 1906
H. 12, B. 8 cm
Lichtdruck und Buchdruck auf Velinpapier
T 30382
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Hiltgart L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, Stuttgart, 1996, S. 89–91.

Mammern und seine Kirchen, Verkehrsverein Mammern, Heimatkundliche Publikation Nr. 9, 1996/1997.

Alfons Raimann, Peter Erni, Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. 6, Der Bezirk Steckborn (Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 98), Bern 2001, S. 196–203.

Heinz Nauer, Fromme Industrie, Der Benziger Verlag Einsiedeln 1750–1970, Baden 2017.

Heinz Nauer, Benziger Verlag, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.12.2019. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/058085/2019-12-10/, aufgerufen am 14.02.2022.
Schlagwörter: Druckgrafik, Fotografie, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Anlässe, Kommunikation