Grafik: Kleines Andachtsbild mit hl. Bruno in der Einsamkeit

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Darstellung vom Heiligen in der Einsamkeit mit seinen Attributen, dem Totenkopf und der Geissel, daneben die Allegorie der Wachsamkeit (Vigilantia) mit Flügeln. Links Säule mit sechs Totenköpfen, Symbole der Gefährten von Bruno: Landwin, Stephan du Bourg, Stephan von Die, dem alten Priester Hugo und den Laienbrüdern Andreas und Guerin. Unten in Rocaillekartusche sechs Kartäuser, die sich in die einsame Gebirgsgegend nördlich von Grenoble zurückziehen, um dort eine Einsiedelei zu gründen, aus welcher das Kartäuserkloster La Grande Chartreuse (FRA) hervorging.
Darüber siebter Totenkopf, Posaune und Schwert als Symbol des jüngsten Gerichts und Gott Vater.
Im Hintergrund ein Viadukt, ein Verweis auf die Vita von Bruno, wonach er in die Einsamkeit zog und in Kalabrien zwei Klöster gründete. Womöglich handelt es sich um das Viadukt Ricardi in der Nähe des Klosters S. Stefano.

Goldene Schrift:
Oben «SPIRITUM TIMENTIUM DEUM» (Der Geist jener, die Gott fürchten) «Eccli: 34. V. 14.» (Ecclesiasticus, (Jesus Sirach): Lexikon für Kirche und Theologie, sp. 792, 793. KBF Ca XX 1225).
Links «Venite filii, audite TIMOREM DOMINI docebo Vos. Ps. 33 V. 12.» (Kommt Kinder und hört, ich werde Euch die Gottesfurcht lehren).
Unten «S. BRUNO Timore mortis, luos vivere docet» (Heiliger Bruno lehrt die Seinen durch Todesfurcht leben).
Der Einsiedler und Ordensgründer (um 1031–1101) studierte an der Domschule in Köln. 1057 übernahm er die Leitung der Domschule in Reims und 1075 das Kanzleramt des Erzbistums. Konflikte mit dem Erzbischof führten zu seiner Flucht und zum Eintritt ins Benediktinerkloster Molesme, wo er in strenger Askese lebte. 1084 zog er mit sechs Gefährten in die Nähe von Grenoble und erbaute dort das erste Kartäuserkloster, La Grande Chartreuse (FRA). Einzelzellen, Schweigegebot, Verständigung durch Zeichen und Zusammenkunft zu nächtlicher Stunde gehörten zu den Ordensregeln. Die Beschäftigung der Mönche bestand aus Beten sowie körperlicher und geistiger Arbeit, wie das Abschreiben von Büchern. 1089 zog Bruno nach Rom und übernahm ein Berateramt beim Papst. 1091 gründete er in Kalabrien die Kartäuserklöster Sta. Maria dell'Eremo und kurz darauf S. Stefano del Bosco unter der Schutzmacht von Maria. Der Kartäuserorden wurde 1176 von Papst Alexander III. anerkannt. Heilig gesprochen wurde Bruno 1623.
Der Heilige wird immer im Habit eines Kartäusers dargestellt, der aus einer weissen Kutte mit Kapuze und einem weissen Skapulier mit breiten Seitenschlaufen besteht. Er wird mit verschiedenen Attributen ausgezeichnet, wie dem Kruzifix, das seine Liebe zu Jesus zeigt. Der Olivenzweig verweist auf Psalm 51, 10: «Ich bin wie ein fruchtbarer Ölbaum im Hause des Herrn». Er ist ein Hinweis auf das segensreiche Wirken von Bruno. Der Totenschädel versinnbildlicht die Abkehr des Heiligen von der physischen Welt und verweist zudem auf Brunos Vision vom toten Chorherrn in Paris, die ihn dazu veranlasst hat, sich aus der Welt zurückzuziehen. Das Buch zeichnet ihn als Ordensgründer aus. Die Geissel steht für Abtötung und Busse, d. h. für Selbstbeherrschung, Willensbildung und Richtung der Seele auf Gott.

Als Vorlage diente ein Stich der Brüder Joseph Sebastian (1710–1768) und Johann Baptist (1712–1787) Klauber, Hofkupferstecher des Fürstbischofs von Augsburg und Fürstabts von Kempten.
Augsburg entwickelte sich im 18. Jh. zur wichtigsten Metropole des Kupferstichs. Der Kunstverlag Klauber, um 1740 von den Brüdern Joseph Sebastian und Johannes Baptist Klauber in Augsburg gegründet, wurde zum führenden europäischen Hersteller für Kleine Andachtsbilder. Die Kirche schätzte und förderte das katholische Unternehmen, weshalb die Brüder Klauber zu den kurpfälzischen, fürstbischöflich Augsburgischen und fürstäbtlich Kemptischen Hofkupferstechern erhoben wurden. Zu den Eigenheiten ihrer Blätter gehörte eine üppige und detaillierte Bebilderung. Verschiedene Räume mit Szenen, gerahmt von Rocaillen und mit Bildunter- oder -überschrift versehen, sind typische Bestandteile der religiösen Darstellungen, die der Klauberverlag veröffentlichte. Zum Schutz vor unerlaubtem Nachdruck wurde den Augsburger Kupferstechern das kaiserliche Druckprivileg erteilt, was auf den Blättern mit dem Kürzel «C. P. S. C. M.» (cum privilegio Sacrae Caesareae Majestatis) kenntlich gemacht wurde und auch ein Gütesiegel darstellte.
18. Jh.
H. 14.2, B. 9.2 cm
Malerei auf Pergament
T 7670
Bilder und Bildchen des heiligen Bruno, Katalog der Ausstellung im Ittinger Museum, 1984.

Margrit Früh, Ittinger Museum in der Kartause Ittingen, Führer durch das Ittinger Museum, Frauenfeld 1992, S. 88.

https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/EP2YNSA4PB7HZEETXD6IICGLOVV6PCJU, aufgerufen am 24.08.2023.
Schlagwörter: Malerei, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Allegorie, Brauchtum, Kloster, Symbol