Grafik: Kleines Andachtsbild mit hl. Petrus und Gebet

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

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Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Der Heilige sitzt auf einer Mauer mit verschränkten Händen und weint. Bei sich seine Attribute: Zu seinen Füssen liegen die zwei Schlüssel und die Bibel, zu seiner rechten Seite steht ein Hahn.

Darunter Bibelzitat:
«Nachdem Petrus hinaus gegangen war, weinte er bitterlich. Luk. 22, 62.»

Auf Rückseite handgeschriebenes Gebet in Sütterlinschrift:

«Gebet für die Tage nach Ostern»

«O Gott, der du nach deiner grossen Barmherzigkeit durch die Auferstehung J. Chr. von den Toten uns wiederbelebt hast zur lebendigen Hoffnung der unvergänglichen Erbschaft des Himmels, erhalte in uns die Gnade der Taufe, und verleihe, dass wir das weisse Kleid der Unschuld, welches wir darin empfangen haben, unversehrt, oder doch durch Bussthunen[?] rein gewaschen bis zu unserm Tode bewahren, und vor den Richterstuhl deines Sohnes bringen mögen, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des Hl. Geistes, Gott und Ewigkeit. A[men].»
Die katholische Kirche leitet ihre Kompetenz, den Gläubigen Sünden vergeben oder vorbehalten zu können, von Petrus ab, der von Jesus Christus zur Binde- und Lösegewalt (auch Schlüsselgewalt genannt) befähigt worden ist. Der Heilige Stuhl und seine Geistlichen besitzen ebenfalls diese Fähigkeit, da sie in der Nachfolge des hl. Petrus stehen. (Mt 16, 19; 18, 18).
Auch im Himmel ist die Petrus von Jesus verliehene Gewalt, Schuld auf Erden zu binden oder zu lösen, gültig.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Schön, Georg (2. Hälfte 18. Jh.– Anfang 19. Jh.), Kupferstecher, Grafiker und Verleger
Anfang 19. Jh.
H. 15, B. 10.4 cm
Kupferstich und Handschrift in schwarzer Tinte auf Büttenpapier
T 30192
Eduard Herzog, Von der Schlüsselgewalt (Internationale theologische Zeitschrift, Bd. 10, Heft 40), 1902, S. 615–630.

Eduard Herzog, Binden und lösen (Internationale theologische Zeitschrift, Bd. 14, Heft 55), 1902, S. 404–422.

Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 87–93.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Persönliche Schreiben, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche