Grafik: Kleines Andachtsbild mit Maria Immaculata und Ablassverleihung von Papst Leo XIII. (1810–1903), von Salesia Strickler (1834–1898), Generaloberin der Lehrschwestern des Instituts vom Heiligen Kreuz in Menzingen (ZG)

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Auf Vorderseite in hochrechteckiger Kartusche die Darstellung der Maria Immaculata mit Strahlen-Händen (Maria im Bildtypus der Unbefleckten Empfängnis), auf der Schlange stehend, die sich um die Weltkugel schlängelt.

Rückseite mit Ablassgebet:

«O MARIE CONÇUE SANS PÉCHÉ
Vierge puissante, qui seule dans le monde entier avez porté le coup mortel à toutes les hérésies, délivrez l'univers chrétien enlacé dans les filets du démon; abaissez vos regards sur les âmes séduites par les ruses de satan, afin que, rejetant tout venin de l'hérésie, les cœurs égarés viennent à résipiscence et rentrent dans l'unité de la vérité catholique, grâce à votre intercession près de Notre-Seigneur Jésus-Christ qui vit et règne dans les siècles des siècles. Ainsi soit-il.»

«100 jours d'indulgences».
Salesia Strickler (1834–1898) trat 1844 in den neu gegründeten Orden der Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen ein, einer Institution, die Nonnen zu Lehrerinnen ausbildete. Ihr Werdegang zur Ordensschwester erfolgte in Ribeauvillé (Elsass), Rhäzüns und Zizers, wo sie 1851 das Ordensgelübde ablegte. 1854 erlangte sie das Lehrerinnenexamen in Menzingen und wurde Oberin des Pensionats Stella Maris in Rorschach.
Strickler trieb den Ausbau der Institution voran und gründete zahlreiche Niederlassungen in Europa, was die weltweite Ausbreitung des Ordens begünstigte. Neben der schulischen Bildung wurde die Lehrpraxis gefördert, was dazu führte, dass die Lehrschwestern auch in abgelegenen Bergdörfern unterrichteten. Bereits 1883 arbeiteten Menzinger Schwestern als Missionslehrerinnen in Südafrika.

Gestanzte und blindgeprägte kleine Andachtsbilder kamen im 19. Jh. auf, wobei Prag und später Paris die führenden Produktionszentren dieser druckgrafischen Devotionalien für die alltägliche persönliche Glaubenspraxis waren. Vorbilder der perforierten Blätter waren die mit geschnittenen Motiven versehenen Bilder aus Pergament oder Papier aus dem 17. und 18. Jh., die wiederum feinen, textilen Spitzen glichen und oftmals von Klosterfrauen angefertigt wurden.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Lamarche, Verlag in Paris
1895
H. 11.5, B. 7.4 cm
Stahlstich auf Papier, gestanzter, gaufrierter Rand
T 30179
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Mathias T. Engels, Das kleine Andachtsbild, Prägedrucke und Stanzspitzenbilder des 19. Jahrhunderts, 1983 Recklinghausen.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 87–93.

Frei Universität Berlin, Symbolische Representationen und Gesellschaftsgeschichte, Immaculata. https://www.lai.fu-berlin.de/forschung/lehrforschung/symbolische_repraesentationen/gemaelde_und_tragaltaere/tragaltaere/immaculata/index.html, aufgerufen am 03.12.2023.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Kloster, Bildungswesen