Grafik: Kleines Andachtsbild mit Verheissungen (Voraussage von Ereignissen in der Zukunft) von Jesus Christus an Margareta Alacoque (1647–1690) und an die Gläubigen der Herz-Jesu-Verehrung

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  Rückseite mit Litanei

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

«Verheissungen Christi an die selige Margaretha Maria, zu Gunsten aller Verehrer seines heiligsten Herzens»

«Ich werde ihnen alle in ihrer Lage nötigen Gnaden geben.
Ich werde Friede in ihren Familien stiften.
Ich werde sie in ihren Leiden trösten.
Ich werde ihre sichere Zuflucht im Leben sein und besonders bei ihrem Tode.
Ich werde reichlichen Segen allen ihren Unternehmungen spenden.
Die Sünder werden in meinem Herzen eine unerschöpfliche Quelle der Barmherzigkeit finden.
Die lauen Seelen werden eifrig werden.
Die eifrigen Seelen werden sich rasch zur Vervollkommnung emporheben.
Ich werde selbst die Häuser segnen in welchen das Bild meines heiligen Herzens aufgestellt und geehrt wird.
Ich werde den Priestern die Macht geben, die härtesten Herzen zu rühren.
Diejenigen, welche diese Andacht verbreiten, werden ihren Namen in meinem Herzen eingeschrieben haben und wird derselbe niemals darin ausgelöscht.
Ich verspreche allen, die während neun aufeinanderfolgender Monate je am ersten Freitage kommunizieren, die Gnade der endlichen Beharrlichkeit. Sie werden nicht im Stande der Ungnade und nicht ohne Empfang der heiligen Sakramente sterben: mein Herz wird in dieser letzten Stunde ihre sichere Zufluchtsstätte sein».
Die Herz-Jesu-Verehrung entstand im 17. Jh., erlangte im 19. und 20. Jh. grosse Beliebtheit und gehört bis heute zu den verbreitetsten Frömmigkeitsformen in der katholischen Kirche.

Die burgundische Salesianerin Margaretha Maria Alacoque (1647–1690) förderte aufgrund einer Vision, in welcher ihr Jesus Christus erschienen sein soll, die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu zusammen mit ihrem Beichtvater, dem Jesuiten Claude de Colombière (1641–1682), Rektor im Jesuitenkolleg Paray-le-Monial (FRA), dem Alacoque als Novizenobermeisterin vorstand.
Die Bemühungen der Jesuiten, die Herz-Jesu-Verehrung im kirchlichen Alltag zu verankern, hatte Erfolg, als Papst Clemens XIII. 1765 in auserwählten Kirchen eine Votivmesse zu Ehren des Herzens Jesu erlaubte.
1856 führte Papst Pius IX. das Herz-Jesu-Fest weltweit ein. Papst Leo XIII. erhob die Feier 1899 zum Hochfest (Gottesdienst im höchstem liturgischen Rang).
Neben dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, das am Freitag nach Fronleichnam zelebriert wird, wird zudem jeden ersten Freitag zu Ehren des Herzens Jesu eine Messe gelesen.
Selig wurde Alacoque 1864 von Pius IX., heilig von Benedikt XV. 1920 gesprochen.

Gestanzte und blindgeprägte kleine Andachtsbilder kamen im 19. Jh. auf, wobei Prag und später Paris die führenden Produktionszentren dieser druckgrafischen Devotionalien für die alltägliche persönliche Glaubenspraxis waren. Vorbilder der perforierten Blätter waren die mit geschnittenen Motiven versehenen Bilder aus Pergament oder Papier aus dem 17. und 18. Jh., die wiederum feinen, textilen Spitzen glichen und oftmals von Klosterfrauen angefertigt wurden.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Bouasse-Lebel et fils et Massin (1845–1867), Verlagsanstalt in Paris
1856–1867
H. 12.3, B. 8 cm
Stahlstich auf Papier mit gestanztem, gaufriertem Rand
T 30384
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Mathias T. Engels, Das kleine Andachtsbild, Prägedrucke und Stanzspitzenbilder des 19. Jahrhunderts, 1983 Recklinghausen.

Getrude Friedrichkeit, Jesu-Herz-Verehrung, Religion, Rituale und Symbole heute (Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe Ethnologie, Bd. 2), Marburg 2010.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Symbol