Grafik: Kleines Andachtsbild zu Ehren der Gottesmutter Maria, mit der Anrufung «Sancta Maria»

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Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Hochovaler Strahlenkranz mit Olivenzweigen, die das Marienmonogramm «M» bilden, umgeben von Puttenköpfen und Putten mit Bibelzitaten.
Bildüberschrift: «Sancta Maria.» (Heilige Maria.) «Dic mihi, quo apellaris nomine? Gen. 32.» (Sag mir, mit welchem Namen wirst du gerufen?) Das Zitat bezieht sich auf die Stelle Genesis 32, 30, in welcher Gott dem fragenden Jakob seinen Namen nicht nennen will. Die Antwort lautet: «Et nomen Virginis [Maria].» (Jungfrau [Maria] ist der Name.) Diese Stelle verweist auf Lukas 1, 27, bei welcher der Erzengel Gabriel zu Maria herabsteigt und ihr verkündet, dass sie Jesus empfangen wird.

Die beiden Engel lassen verlauten:
«Oleum effusum nomen tuum. Cnt 1» (Wie ausgegossenes Öl ist dein Name. Canticum canticorum 1) Der Satz stammt aus dem Hohelied Salomos 1, 3.
«Olivam [uberem] pulchram [fructiferam speciosam] vocavit Dominus nomen tuum. Jer 1».(Der Herr nannte dich einen grünen, schönen, fruchtbaren Ölbaum.) Diese stark verkürzte Stelle gehört zum Buch Jeremia 11, 16.

Darunter kämpfte der Erzengel Michael gegen den Teufel, der spricht «[Sanctum et] Terribile nomen eius. Ps. 110.» (Heilig und Schrecken erregend ist sein Name). Die Stelle stammt aus dem Psalm 110, 9, einem Lobpreis auf Gott.
Seitlich davon stehen zwei Männer je an einem Notenpult, auf dem Schriftstücke mit der Aufschrift «ora» und «pro nobis» liegen. (Bete für uns).
Bildunterschrift mit Zitat aus dem Buch Judith 13, 22–25:
«Benedictus Dominus, qui[a] hodie Nomen tuum ita magnificavit, ut non recedat laus tua de ore hominum. Judith 13.» (Hochgelobt sei der Herr, denn Er hat heut deinen Namen also verherrlicht, dass dein Lob nie mehr verstummt im Munde der Menschen.)
Das Blatt gehörte zu einem Andachtsbuch mit Anrufungen (Bitten) an Maria aus der Lauretanischen Litanei (Wechselgebet zu Ehren der Mutter Gottes), geschrieben vom Pfarrer Franz Xaver Dorn in Friedberg und illustriert von den Gebrüdern Klauber in Augsburg. Das erfolgreiche Werk, das 57 Kupferstiche mit je einer Anrufung zeigt, wurde von 1749 (Verlag von Johann Baptist Burckhart) bis 1840 (Verlag von Matthias Rieger) mehrmals in deutscher wie in lateinischer Sprache aufgelegt.

Augsburg entwickelte sich im 18. Jh. zur wichtigsten Metropole des Kupferstichs. Der Kunstverlag Klauber, um 1740 von den Brüdern Joseph Sebastian (1710–1768) und Johannes Baptist (1712–1787) Klauber in Augsburg gegründet, wurde zum führenden europäischen Hersteller für «Kleine Andachtsbilder». Die Kirche schätzte und förderte das katholische Unternehmen, weshalb die Brüder Klauber zu den kurpfälzischen, fürstbischöflich Augsburgischen und fürstäbtlich Kemptischen Hofkupferstechern erhoben wurden. Zu den Eigenheiten ihrer Blätter gehörte eine üppige und detaillierte Bebilderung. Verschiedene Räume mit Szenen, gerahmt von Rocaillen und mit Bildunter- oder -überschrift versehen, sind typische Bestandteile der religiösen Darstellungen, die der Klauberverlag veröffentlichte. Zum Schutz vor unerlaubtem Nachdruck wurde den Augsburger Kupferstechern das kaiserliche Druckprivileg erteilt, was auf den Blättern mit dem Kürzel «C. P. S. C. M.» (cum privilegio Sacrae Caesareae Majestatis) kenntlich gemacht wurde und auch ein Gütesiegel darstellte.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Klauber, Joseph Sebastian (1710–1768) und Johannes Baptist (1712–1787), Hofkupferstecher des Fürstbischofs von Augsburg und Fürstabts von Kempten
ab 1749/18. Jh.
H. 16, B. 9.2 cm
Kupferstich auf Büttenpapier
T 30314
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Pack, Dieter, Die historische Entwicklung des Apollonia-Kults unter besonderer Berücksichtigung des sog. "kleinen Andachtsbildes", Dissertation, Bayerische Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg, Würzburg 2003, S. 222, Abb. 57.
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-
wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/589/file/pack.pdf, aufgerufen am 01.01.2022.

Ruth Sylvester, Ein Zentrum graphischer Andachtsproduktion im 18. Jahrhundert. Der Verlag der Gebrüder Klauber in Augsburg, Das Kleine Andachtsbild, Graphik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Museum Schnütgen, Auswahlkatalog, 2004, S. 43–51.

Peter Stoll, Zweites Augsburger Rokoko, Die Lauretanische Litanei der Brüder Klauber und ihre Rezeption in Frankreich, OPUS Augsburg, Publikationsserver Universität Augsburg, Juni 2013. https://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/2362/file/Stoll_Klauber.pdf, aufgerufen am 25.08.2023.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche