Halbarte (Hellebarde), aus der Antiquitätensammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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  Meistermarke

Vierkantspitze, an der Basis einseitig die geschlagene Meistermarke in Schild mit dreiblättrigem Kleeblatt am Stiel.
Grosses Beilblatt mit schräg gestellter, leicht konkaver Schneide. Breiter Blatthals, Blattober- und Blattunterkante zweifach bogenförmig eingeschnitten. Flächiger Schnabelhaken. Zwei lange, mehrfach vernietete Schaftfedern. Dazu zwei Schaftbänder, ebenfalls mehrfach vernietet. Achtkantschaft.
Der Spiessenschmied Claus Lerchli von Kempten lieferte 1585/1586 an das Zeughaus in Zürich 200 Halbarten, welche diesem Typus entsprachen sowie 480 rohe Halbarteneisen. Letztere wurden in Zürich vom Plattner Jörg Köchli poliert. Der Schaft aus Eschenholz stellte ein Tischmacher oder ein Zeughausmitarbeiter her.
Der damalige Preis einer geschäfteten Halbarte betrug 31 Schilling und 11 Pfennig, eine unbearbeitete kostete 10 Konstanzer Batzen. Ein Tischmacher verdiente 10 Schilling, ein Maurer oder Zimmermann 9 Schilling pro Tag. 250 Gramm Rind- oder Kalbfleisch kostete in dieser Zeit 1 Pfund und zwei Schilling.
Lerchli, Klaus, Waffenschmied, Spiessmacher in Kempten (Allgäu) (DEU)
2. Hälfte 16. Jh.
L. 226 cm
Eisen, Holz
T 9701
Margrit Früh, Führer durch das Historische Museum des Kantons Thurgau im Schloss Frauenfeld, Ausstellungskatalog, 2. erneuerte Auflage, Frauenfeld 2001, S. 27.

Jürg A. Meier, Stangenwaffen aus Kempten für Zürich, Die Lieferungen Claus Lerchlis in den Jahren 1585–1591, in: Rapport 3 / 4, Schweizerisches Waffeninstitut Grandson, Grandson 1979. S. 213–224.
Schlagwörter: Militaria, Waffen, Gewerbe, Hauswirtschaft