Heiligenbild: Hl. Karl Borromäus, Buchillustration

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Darstellung einer Szene aus der Vita des hl. Karl Borromäus. Der barfüssige Heilige kniet vor einem Kruzifix – seinem Attribut – vor einem Altar. Er trägt dabei ein Seil um den Hals als Zeichen seiner Pestbittgänge. Dies waren Bittprozessionen gegen die Pest, bei der Borromäus, zum Zeichen des sich nahenden Unheils, einen Strick um den Hals trug. Im Hintergrund ist Mailand während den Pestjahren 1576–1578 dargestellt. Auf den Strassen liegen Tote und Kranke. Zwei Figuren heben eine verstorbene Person auf. Hinter dem Heiligen befindet sich eine geraffte Draperie, die den Blick auf einen Sockel mit zwei Säulen freigibt. Im Hintergrund ein klassizistisches Gebäude mit Portikus (Säulengang) und Dreieckgiebel.

Bildunterschrift: «S. CAROLUS BORROMAEUS S.R.E. CARDINALIS ARCHIEPISCOPUS MEDIOLANENSIS. usquequo Domine, irasceris in finem? ps. 78. / Vôtre colere, Seigneur n’aura-telle point de fin?».
(Der Heilige Karl Borromäus, Kardinal der Heiligen Römischen Kirche, Erzbischof von Mailand. Wie lange Herr willst Du immerfort zürnen? Psalm 78, 5.) In manchen Bibelversionen ist die Stelle unter Psalm 79, 5 zu finden.
Signatur links unten im Bild: «Pitau sculp.» (Kupferstecher),
Angaben am unteren Bildrand: «L. B. Corneille inv.» (Entwerfer der Grafik), «A Paris chez Mariette rüe St. Iacques aux Colonnes d’Hercules.». (Jean Mariette (1660–1742) war ein Buchdrucker und Händler von Büchern und Stichen in Paris).



Der Mailänder Karl Borromäus (1538–1584) studierte weltliches und kirchliches Recht in Pavia und wurde von seinem Onkel, Papst Pius IV., zum Kardinalsdiakon und zum Staatssekretär ernannt. Ab 1560 oblag ihm die Verwaltung des Erzbistums Mailand auf Lebenszeit. 1563 erlangte er die Bischofswürde und wurde Kardinal von Santa Prassede in Rom. Als Protector Helvetiae setzte er sich für Glaubensfragen in den katholischen Orten der Eidgenossenschaft ein. Besonders reformatorische Bestrebungen in der Südschweiz unterband er energisch. 1579 gründete er in Mailand das Collegium Helveticum, wo Schweizer zu Priestern ausgebildet wurden. Borromäus galt als Ideal eines Bischofs, da er sich für eine qualitätsvolle Ausbildung des Klerus einsetzte, Priesterseminare nach den Massgaben des Konzils errichtete, Konzilsbeschlüsse umsetzte und durch Askese als Vorbild wirkte. Neben der Seelsorge soll er aufopfernd Menschen während der Pestepidemie zur Seite gestanden haben. Er wurde 1610 heiliggesprochen und ist Schutzpatron der katholischen Schweiz.
Corneille, Jean-Baptiste (1649–1695), Kupferstecher, Radierer

Pitau (Pittou), Nicolas (1632–1671), Kupferstecher
um 1670
H. 24.7, B. 19.8 cm, Blattmass H. 50, B. 35 cm
Kupferstich auf Büttenpapier, geklebt auf braunes Velinpapier
T 31205
Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, Stuttgart, 1996, S. 348–349.

Pablo Crivelli, Karl Borromäus, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.08.2021. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010211/2021-08-27/, aufgerufen am 27.07.2023.

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienK/Karl_Carlo_Borromaeus.htm, aufgerufen am 22.07.2023

https://www.borromaeusverein.de/borromaeusverein/wir-ueber-uns/unser-patron-karl-borromaeus, aufgerufen am 11.09.2023.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Bücher, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum