Keramik: Topf für Würstchen, «Würstlitopf»

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Konischer Topf, unten gerundet, eingezogene Wandung. Mit zwei Henkeln und Deckel mit Knauf. Zwei Aussparungen im Rand für das Einsetzen eines Holzstabs zum Aufhängen von Würstchen. Schwarz mit türkisfarbenem Dekor, Blumenmuster auf beiden Seiten, ein breites und ein schmales Band umlaufen den Topf oberhalb der Handhaben.
Auf der Aussenseite des Bodens in ein türkisfarbenes Rechteck die Schrift «Burkart Handarbeit B/braun» gekratzt (Sgraffito), welche die Farbe des Mangantonschlickers aufweist.

Nach dem Rohbrand des Topfs bei ungefähr 920 °C wurde auf den hellrotbraunen Scherben ein dünner Mangantonschlicker gespritzt. Nach dem Trocknen erfolgte die Engobemalerei in Türkis, eine weitere Trockenphase und das Glasieren mit transparenter Glasur. Für den abschliessenden Brand war eine Hitze bei ungefähr 1040 °C nötig.
«Wienerli»/«Frankfurter» konnten auf der Holzstange in den mit Wasser oder Brühe gefüllten Topf gehängt und so warmgehalten werden.

Die Gründung der Keramikwerkstatt Burkart geht auf eine über 125-jährige Tradition zurück. 1865 erwarb der Hafner Stephan Burkart an der Unterseestrasse in Kreuzlingen-Emmishofen das Restaurant «Zum Grüntal», wo er eine Hafnerei mit einem Brennofen für Ofenkacheln einrichtete. Die Erzeugnisse der Firma wurden unter anderem mit der Goldmedaille der Landesausstellungen Genf 1896 und Bern 1914 ausgezeichnet. Es folgte die Übernahme der Werkstatt durch die Söhne Adolf und Otto Burkart. 1925 wurde die erste Geschirrkeramik produziert, 1930 verliessen die ersten kunsthandwerklich getöpferten Vasen die Fabrik. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kachelofenproduktion eingestellt. In den 1970er-Jahren folgte der Umzug an einen neuen Standort in Kreuzlingen. 1990 beschäftigte der Betrieb 36 Mitarbeiter, zusätzlich wurden Heimarbeiterinnen in Graubünden als Keramikmalerinnen ausgebildet. Die Firma existierte bis 1994.

Der Keramiker Klaus Rothe (geboren 1939 in Berlin) absolvierte seine Ausbildung zum Töpfer und Keramiker an der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin. 1962–1965 arbeitete er in einer Ofenkachelfabrik und in einer Fabrik für Laborporzellan in Berlin. 1972 erfolgte der Stellenantritt bei der Keramikwerkstatt Adolf Burkart AG in Kreuzlingen, wo er auch diesen Topf herstellte.

Von 1975–2002 war er Brennmeister und Kursleiter für Töpfern und Modellieren in der Migros-Clubschule in Zürich. 1993 erfolgte der Umzug an den Untersee nach Ermatingen. Im Staad in Ermatingen errichtete er in seinem Wohnhaus an der Schiffgasse eine Töpferei und Keramikwerkstatt mit einem neuen Brennofen, der Brennvorgänge mit höheren Temperaturen ermöglichte. Zu seinen Techniken gehören Experimente mit anspruchsvollen Kristallglasuren nach eigenen Rezepturen. Sein Werk umfasst Kunst- und Alltagsobjekte.
Adolf Burkart AG (1865–1994), Hersteller von Kunstkeramik in Kreuzlingen-Emmishofen

Klaus, Rothe (*1939), Keramiker in Ermatingen
1970–1980
H. 22, B. 25.5, D. 15.5 cm
Irdenware, gedreht, engobiert und glasiert; Buchenholz, gedrechselt
T 38839
Sigmar Schmidt-Eisenhart: 125 Jahre Burkart-Keramik, Kreuzlingen, in: Handwerk, Volkskunst, Kunsthandwerk/Schweizer Heimatwerk, Zürich, Nr. 1/1990, S. 27–30.

Staatsarchiv Thurgau (StATG), 8'401 Adolf Burkart AG, Kunstkeramik, Kreuzlingen 1930–1950.

Keramik Klaus Rothe, https://keramikklausrothe.blogspot.com/, aufgerufen am 27.11.2024.

Kunst Thurgau, Klaus Rothe, https://www.kunstthurgau.ch/kunstschaffende/klaus-rothe/, aufgerufen am 27.11.2024.
Schlagwörter: Keramik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Wohnen, Essen, Behältnisse