Leichtes Perkussionsgewehr, vermutlich der Frauenfelder Kadetten, Vorderlader, eidgenössisches Modell 1817/1842

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Von Stein- zu Perkussionsschloss umgeänderte Zündung.

Runder glatter Lauf, ab Kammerbereich oktogonal. (Pulversack). Laufende ohne Bajonettnocke. Messinggarnitur aus drei Bändern, Seitenplatte, Abzugsbügel und Kolbenkappe. Laufbefestigung mit Bandfedern. Korn aus Messing auf Vorderband. Zwei Bügel aus Eisen für den Tragriemen. Eiserner Ladestock mit kegelstumpfförmigem Kopf. Voller Nussbaumholzschaft mit kleinem Backenausschnitt links und geradem Abschluss.
Ladestock aus Eisen mit Gewinde: 71.2 cm.

Kal. ca. 17 mm
Vorderladergewehre der eidg. Ordonnanz von 1817, meist französischer Herkunft mit Steinschlosszündung, mit welchen die kantonalen Milizen bewaffnet waren, erfuhren im 19. Jh. mehrfache Ertüchtigungen. So durch den Beschluss des eidgenössischen Kriegsrats vom 13. April 1842, gemäss welchem die Waffen zur Optimierung mit einer Perkussionszündung aufzurüsten waren. Ebenso wurden sie mit Zündhütchen und Piston ausgestattet. Vorliegendes Exemplar weist diese Eingriffe auf.

Kadettenkorps sind die ältesten Kinder- und Jugendverbände der Schweiz und entstanden im 18. Jh. Sie hatten zum Ziel, 10- bis 15-jährige Knaben mit Waffenübungen, Marschtraining, Patrouillenläufen, Paraden und Manövern auf den Armeedienst vorzubereiten. Bis 1972 unterstützte der Bund finanziell das Kadettenwesen.
Die Ausbildung der Thurgauer Kadetten erfolgte an der 1853 gegründeten Kantonsschule Frauenfeld, wo ein von der Regierung gewählter Kadettenchef die Schüler unterrichtete. Allmählich entwickelte sich der militärische Drill hin zur sportlichen Ertüchtigung. Der obligatorische Schiessunterricht für Kadetten blieb bis 1970 bestehen.
Das vorliegende Gewehr war bis zur Einführung des Vetterli-Hinterladers Modell 1870, mit welchem die Frauenfelder Kadetten 1872 ausgerüstet wurden, im Einsatz.
um 1817–um 1859 im militärischen Einsatz
L. 110 cm, Lauf L. 71.6 cm
Stahl, Eisen, Messing, Nussbaumholz
Wg 286
Schweizerischer Schützenverein (Hrsg.), Hand- und Faustfeuerwaffen, Schweizerische Ordonnanz 1817 bis 1967, Frauenfeld 1971, S. 20.

Hugo Schneider, Michael am Rhyn, Eidgenössische Handfeuerwaffen(Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee seit 1817, Bd. 2), Dietikon-Zürich 1979, S. 119.

Louis Burgener, Kadetten in der Schweiz (Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift, Bd. 152), 1986, Heft 10, Beiheft.
Schlagwörter: Militaria, Staatliche Institutionen, Bildungswesen, Waffen, Gewerbe