Medaille: Schulprämie der Stadt Lenzburg (AG), sekundäre Verwendung als Uhrenschlüssel

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Vs.: In Zahnkreis die Wappenschilde des Kantons Aargau und der Stadt Lenzburg auf gekreuzten Palm- und Lorbeerzweigen.
Rs.: In Zahnkreis die Angaben «P[RAE(AE ligiert)MIUM] / D[ILIGENTI]» (PRAEMIUM DILIGENTIAE, Belohnung des Fleisses), zwischen Lorbeerzweigen.

Sekundäre Verwendung der Schulprämie als Uhrenschlüssel durch das Anlöten eines Henkels oben und einer kleinen, zylinderförmigen Hülse unten. Wurde als Anhänger an der Uhrenkette getragen.
Seit dem 17. Jh. verbreitete sich in vielen Schweizer Städten der Brauch, einmal pro Jahr – meistens zu Ostern – die Lerneifrigsten mit Preisen zu belohnen. Waren es anfänglich Geldbeträge oder Sachwerte (Bücher, Naturalien), verschenkte man mit der Zeit Medaillen, zumeist aus Silber, die zuweilen dem Wert gängiger Münzen entsprachen. In der Regel wurden solche Medaillen feierlich vergeben. Sinn und Zweck dieser Würdigung war die Ermunterung der Schülerschaft zu Höchstleistungen. An manchen Orten hielt sich dieser Brauch mit Unterbrechungen noch bis weit ins 20. Jh. hinein.
Unter dem Einfluss der Reformation und später der Aufklärung wurde in der Schweiz die Schulbildung für Knaben wie auch für Mädchen vorangetrieben. Im 17. Jh. boten alle Berner und Zürcher Gemeinden einen Schulunterricht an, wobei an Stadtschulen wie in Lenzburg ein eher stufengerechter, geschlechtergetrennter und ganzjähriger Lehrbetrieb stattfand, während an den Landschulen eine einzige Schulstube üblich war, wo sich die Kinder mehrheitlich im Winter einfanden. Lesen war das wichtigste Fach, da diese Fähigkeit die Voraussetzung war, sich der Lektüre der Bibel zu widmen und die Psalmen auswendig zu lernen. Daneben wurde Schreiben sowie Singen unterrichtet und an den Stadtschulen bzw. Marktorten auch das Rechnen. Lehrmittel waren religiöse Bücher (Psalmenbuch, Altes und Neues Testament). Gegen Ende des 18. Jhs. besuchten im Kanton Bern (Stand Bern) etwa gleich viele Mädchen wie Knaben die sechs Jahre dauernde Grundschule, und die Lesefähigkeit beider Geschlechter hielt sich die Waage.

Die vorliegende Lenzburger Schulprämie wurde nachträglich durch das Anlöten eines Rings und einer zylinderförmigen Hülse zu einem Uhrenschlüssel umfunktioniert, der an der Kette getragen wurde. Die starke Abnutzung der Schulprämie weist auf eine lange Tragezeit hin.
19. Jh.
L. 4.7, D. 2.7 cm
Silber, Prägung; gehenkelt, gelötet (sekundär)
T 33473.1
Albert Meier, Gottfried Häusler, Die Schulprämien der Schweiz, Hilterfingen 1991, Nr. 281.

Schulwesen, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.11.2012. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010396/2012-11-21/, aufgerufen am 07.10.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Brauchtum, Bildungswesen, Messwesen, Hauswirtschaft, Persönliche Assesoires, Uhren, Heraldik