Münze: 1-Angster-Stück der Stadt St. Gallen, geprägt in St. Gallen, aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Einseitig geprägte Münze.

Vs.: In Wulstkreis stehendes Lamm Gottes (Agnus Dei) nach links, den Kopf nach rechts gerichtet, den Kreuzstab mit Siegesfahne haltend (Sinnbild für die Auferstehung von Jesus Christus), um den Wulstkreis vier Punkte.
Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten bzw. Hohlpfennigen (Spätmittelalter und Neuzeit) gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Der vorliegende Angster steht im Zusammenhand mit dem Münzvertrag von 1424, welcher zwischen St. Gallen, Zürich und Schaffhausen geschlossen wurde. In dieser Vereinbarung verpflichteten sich die Vertragspartner, ihre Münzen nach den gleichen Standards (Gewicht, Silbergehalt und Nominal) auszuprägen und so für stabile Münzverhältnisse im Bundesgebiet zu sorgen. Als Erkennungszeichen der neuen Bundesmünzen dienten die vier Kugeln auf dem glattem Wulstreif. Das Bündnis endete bereits 1425, da die Eidgenossen Zürich zum Austritt aus dem Vertrag zwangen.

Der Münzvertrag zeugt von den Bemühungen, insbesondere der Handelsstädte, den zunehmend chaotischen Münzverhältnissen des Spätmittelalters in Süddeutschland und der Deutschschweiz Einhalt zu gebieten. Massnahmen waren der Zusammenschluss von Partnern mit dem Recht zur Münzprägung und die Einführung einer stabilen Bundesmünze. Zwei erfolgreiche Beispiele für diese Bündnispolitik waren der Riedlinger Bund (1423) in der nördlichen Bodenseeregion und im angrenzenden württembergischen Raum sowie der Rappenmünzbund (1403/1425) am Oberrhein. Das Bündnis von 1424 zwischen Zürich, St. Gallen und Schaffhausen hatte aufgrund seiner kurzen Dauer hingegen kaum Auswirkungen auf den regionalen Münzumlauf.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern abgekauft.
1424
D. 16.9 mm
Silber, Prägung
T 36157
Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 5.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Symbol, Tier, Religion