Münze: 1-Dollar-Stück der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), geprägt in Philadelphia, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: In Perl- und Linienkreis weiblicher Kopf nach links, Profil nach dem griechischen Ideal mit Stirn- und Nasenbein in gerader Linie und kleinem gerundeten Kinn, mit an oberer Kante mit Perlen besetztem Diadem mit Inschrift «LIBERTY» (Allegorie der Freiheit), umgeben von 13 Sternen.
Rs.: Umschrift: «UNITED STATES OF AMERICA». In Perl- und Linienkreis die Angaben «1 / DOLLAR / 1849» in Kranz aus zwei unten mit Band gebundenen Lorbeerzweigen (Symbol des Siegs und Ruhms).
Dank der 1848 in Kalifornien entdeckten reichen Goldvorkommen begann der Goldpreis auf den Weltmärkten ab der Mitte des 19. Jhs. zu sinken. Gleichzeitig veränderte sich das bestehende Wertverhältnis von Gold und Silber. Je tiefer der Goldpreis aufgrund des steigenden Angebots an Gold bei gleicher Nachfrage fiel, desto höher stieg der Preis des Silbers im Verhältnis zu jenem des Golds bei gleichbleibendem Angebot an Silber (Hebelprinzip). Im Alltag hiess dies, dass nun mit der gleichen Menge Silber mehr Gold erworben werden konnte bzw. mehr Waren, da die Rohstoff- und Warenpreise auf den Weltmärkten in Gold festgesetzt wurden. Grosse Mengen des Edelmetalls flossen daraufhin in die Münzstätten, wo es zu Goldmünzen verarbeitet wurde. Die dadurch entstandene Zunahme von Goldmünzen führte dazu, dass die Silbermünzen im Verhältnis zu den Goldmünzen überbewertet wurden (Hebelprinzip), d. h. der Wert des Silbers der Münzen überstieg den aufgeprägten Nominalwert, sodass die Silbermünzen auf die Seite gelegt bzw. zu Barren eingeschmolzen wurden, um dann verkauft zu werden. Das Fehlen der bis anhin in Silber ausgeprägten 1-Dollar-Stücke im Geldumlauf verursachte Probleme im Alltag. Ab 1849 prägten die USA daher 1-Dollar-Stücke in Gold, um diesem Mangel zu begegnen. Als Vorbild in der Gestaltung des Münzbilds dienten die grossen 10-Dollar-Stücke mit dem Kopf der Freiheitsgöttin mit Diadem auf der Vorderseite. 1853 wurde die Ausprägung eines 3-Dollar-Stücks als Ergänzung zu den goldenen 1-Dollar-Stücken beschlossen, wobei man bei der Gestaltung des Münzbilds auf ein neues Design setzte. Anstelle des Kopfs mit Diadem sollte nun der Kopf einer jungen Frau mit einer fiktiven Federhaube, in Anlehnung an den Kopfschmuck der Native Americans, als Allegorie der amerikanischen Freiheit treten. 1854 erfolgten die ersten Prägungen dieses neuen Nominals. Parallel dazu wurde auch das Münzbild des goldenen 1-Dollar-Stücks angepasst.

Die 13 Sterne auf der Vorderseite, welche die Freiheitsgöttin Liberty umrahmen, stehen für die 13 ursprünglich englischen Kolonien Virginia, New Hampshire, Rhode Island, Massachusetts, Maryland, Connecticut, North Carolina, South Carolina, Delaware, New Jersey, New York, Pennsylvania und Georgia. Diese Staaten erklärten 1776 ihre Unabhängigkeit von Grossbritannien und riefen die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) aus.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
Longacre, James Barton (1794–1869), Porträtist, Graveur
1849
D. 12.9 mm
Gold, Prägung
T 6789
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 7.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1801–1900, Iola 2001, Nr. 73.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Allegorie, Symbol, Botanik