Münze: 1-Heller-Stück der Stadt Schaffhausen, geprägt in Schaffhausen

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Vs.: In Wulstkreis Widderprotome (Vorderteil) nach links.
Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten bzw. zu den Hohlpfennigen – einer Prägung des ausgehenden Mittelalters und der Neuzeit – gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass im Umlauf waren. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen ist die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Bild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Das Münzbild zeigt einen Widder (Schafbock, heraldisch für ein Schaf mit Hörnern), der auf den Namen der Siedlung Schaffhausen anspielt. In der Heraldik bezeichnet man solche Wappendarstellungen, welche volksetymologisch (Anlehnung an ein ähnlich klingendes Wort) auf den Namen des Wappenträgers hindeuten, als redende Wappen. Der Ursprung des Namens Schaffhausen lässt sich nicht eindeutig festlegen. Die Grafen von Nellenburg erhielten 1045 vom deutschen Kaiser Heinrich III. das Münzrecht für ihre verkehrsgünstig gelegene Siedlung am Rhein. Einige Jahre später stifteten die Nellenburger die Benediktinerabtei Allerheiligen in Schaffhausen. 1080 schenkten sie die Stadt Schaffhausen mitsamt dem Münz- und Marktrecht dem Kloster Allerheiligen, sodass die Abtei zum alleinigen Stadt- und Münzherrn aufstieg. 1333 pachtete die Stadt das Münzrecht vom Kloster Allerheiligen. Mit dem Beginn des Spätmittelalters emanzipierte sich die Stadt allmählich von der Abtei Allerheiligen als einstige Stadtherrin und löste das Kloster als Münzherr ab. Im 14. Jh. zeigen die Schaffhauser Pfennige das Stadtwappen, ein Widder, der aus dem Stadttor springt. Auf dem vorliegenden Heller wird das Wappen verkürzt dargestellt. Anstelle des Widders mit Torturm erscheint der Vorderteil (Protome) des springenden Widders in einem glattem Wulstreif.
Ende 15. Jh.–Anfang 16. Jh.
D. 12.8 mm
Silber, Prägung
T 36303
Friedrich Wielandt, Schaffhauser Münz- und Geldgeschichte, Schaffhausen 1959, Nr. 22a.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Tier, Architektur