Münze: 1-Pfennig-Stück des Bistums Basel, geprägt in Basel zur Zeit von Bischof Berthold von Pfirt (1248–1262), Beischlag (Nachahmung) zu Konstanzer Pfennigen, vermutlich aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, vermeintlicher sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: In Wulstkreis stehender Bischof von vorne, er trägt eine Mitra mit Spitzschild (Kopfbedeckung von Bischöfen und ab Mitte des 12. Jhs. von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit), eine Kasel mit verziertem Kaselstab, in der Linken ein Buch und in der Rechten einen Krummstab (Insignie von Äbten und Bischöfen, die mit dem Stab ihre Funktion als Hirten der Gläubigen symbolisieren) haltend.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich im Bereich des ehemaligen Karolingerreichs in Westeuropa unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gültig war, traten nun unterschiedliche Pfennigsorten in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten, dies aufgrund der zunehmenden politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Das vorliegende Stück wird in der Forschung dem Basler Bischof Berchtold von Pfirt (1248–1262) zugeschrieben und als Beischlag zu den zeitgenössischen Konstanzer Pfennigen beschrieben. Als Beischlag bezeichnet man in der Numismatik Münzen, welche mit Täuschungsabsicht gängige Münzen anderer Münzherren nachahmen. Häufig imitierten kleine Münzherren allgemein akzeptierte Münzen, um ihren Prägegewinn zu steigern und bildeten Münzbilder, Umschriften oder Formen nach. Im Gegensatz zu Fälschungen, welche Private herstellten, besassen die Hersteller der Beischläge das Münzrecht und die Nachahmung war nie ganz identisch mit der zu imitierenden Originalmünze. In diesem Fall liess der Basler Bischof anstelle der für den westalemannischen Raum üblichen vierzipfligen Form die runde Form mit glattem Wulstreif prägen. Diese entsprach dem Konstanzer Pfennig, weshalb die Beischläge im Bodenseewirtschaftsraum einfacher in Umlauf gebracht werden konnten.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
um 1250
D. 17.1 mm
Silber, Prägung
T 36892
Friedrich Wielandt, Die Basler Münzprägung von der Merowingerzeit bis zur Verpfändung der bischöflichen Münze an die Stadt im Jahr 1373 (Schweizerische Münzkataloge, Bd. 6), Bern 1971, Nr. 76.

Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 15 (um 1240, vgl. zu Konstanzer Vorbildern).

Kunst für Alle, OSNABRÜCK, Kunst in Kürze im Diözesanmuseum Osnabrück – Der Kaselstab, 9. Mai 2023, https://kukuk.de/kunst-in-kuerze-im-dioeszesanmuseum-osnabrueck-der-kaselstab/, aufgerufen am 10.01.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Kirche, Symbol