Münze: 10-Kronen-Stück des Kaisertums Österreich, geprägt in Wien zur Zeit von Kaiser Franz Joseph I. (1848–1916), aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «FRANC . IOS . I . D . G . IMP . AVSTR . REX BOH . GAL . ILL . ETC . ET AP . REX HVNG .» (FRANCISCVS IOSEPHVS I DEI GRATIA IMPERATOR AVSTRIAE REX BOHEMIAE GALICIAE ILLIRIAE ET CETERA ET APOSTOLICVS REX HVNGARIAE) (Franz Josef I. von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Böhmen, Galizien, Illyrien und weiterer [Länder] und apostolischer König von Ungarn). In Perl- und Linienkreis Kopfporträt des bärtigen Kaisers mit Lorbeerkranz (Symbol des Siegs und Ruhms), nach rechts, darunter sechsstrahliger Stern.
Rs.: Umschrift: «X CORONAE[AE ligiert] (10 Kronen) – MDCCCXCVII». In Perl- und Linienkreis bekrönter Doppeladler, auf dessen Brust Wappenschild mit kleinem Staatswappen des Kaisertums Österreich, umgeben von Kette des Goldenen Vlieses zwischen «10 – COR .», darunter «1897».
Der bekrönte Doppeladler mit dem dreigeteilten Hauswappen der Familie Habsburg-Lothringen (habsburgischer Löwe, Bindenschild für Österreich und Schrägbalken mit drei Adlern für Lothringen) auf der Brust war seit 1804 das offizielle kleine (einfache) Staatswappen des Kaisertums Österreich.

Eingefasst wird der Wappenschild von der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies. Das Goldene Vlies (Widderfell) bezieht sich auf einen Widder aus der griechischen Mythologie, der reden und fliegen konnte. Sein goldenes Fell soll im Hain von Ares, dem Gott des grauenvollen Krieges, aufbewahrt und schliesslich von den Argonauten (Heroen) geraubt worden sein.
1430 gründete Philipp von Burgund (1396–1467) diesen Ritterorden, wobei er das mythologisch aufgeladene Widderfell zum Symbol (Kleinod) des Ordens bestimmte. Schnell etablierte sich der Orden zur exklusivsten Gemeinschaft von Adligen in ganz Europa. Mit der Heirat von Maximilian von Österreich (1459–1519) und Maria von Burgund (1457–1482), der Erbenkelin des Ordensgründers, ging 1477 die Zuständigkeit über den Orden an das Haus Habsburg über.
Die goldene Kette ist aus zwei plastischen alternierenden Kettengliedern aufgebaut, aus Feuersteinen mit je schwarz emaillierter Halbkugel mit weissen Tupfen und seitlich wegzüngelnden Feuerstrahlen sowie aus je zwei Feuereisen mit hakenförmigen ineinander gehängten Griffen. Feuerstein und Feuereisen illustrieren den Leitspruch des Ordens «Ante ferit quam flamme micet» (Zuvor der Schlag, dann glänzt die Flamme). An der Kette hängt das Ordenssymbol, der plastische Kettenanhänger in Form des Widderfells (Vlies).

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1897
D. 18.9 mm
Gold, Prägung; beabsichtigte sekundäre Verwendung aufgrund Fassungs- und Lötspuren am Rand
T 6776
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 26.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1801–1900, Iola 2001, Nr. 2805.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Heraldik, Symbol, Tier