Münze: 10-Kronen-Stück des Königreichs Ungarn, geprägt in Kremnitz (heute Kremnica in der Slowakei) zur Zeit von Franz Joseph I. (1848–1916), Kaiser von Habsburg-Österreich, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «FERENCZ JÓSZSEF I . K . A . – CS . ÉS M . H . S . D . O . AP . KIR .» (FERENCZ JÓSEF ISTEN KEGYELEMBÖL AUSZTRIAI CSÁSZÁR, ÉS MAGYAR, HORVÁT, SZLAVÓNIAI ÉS DALMATIAI APOSTOL KIRÁLY) (Franz Josef von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich und Apostolischer König von Ungarn, Kroatien, Slawonien und Dalmatien). In Perl- und Linienkreis auf Bodenplatte stehender König im Krönungsmantel nach rechts, in der Linken den Reichsapfel, in der Rechten das Zepter haltend, bekrönt mit der Stephanskrone, darunter «1901».
Rs.: Umschrift: «MAGYAR KIRÁLYSÁG» (Königreich Ungarn). In Perl- und Linienkreis bekrönter, von zwei Engeln gehaltener ungarischer Wappenschild, darunter «K . B / 10 KORONA» (KB = Münzstättenzeichen für Kremnitz, auf ungarisch Körmöcbánya).
Infolge der Niederlage von Kaiser Franz Joseph I. im Deutsch-Österreichischen Krieg von 1866 gelang es dem Königreich Ungarn ein Jahr später eine eigenständige Stellung innerhalb des habsburgischen Gesamtstaats zu erlangen. Das Habsburgerreich war somit ab 1867 in zwei weitgehend unabhängige Reichshälften geteilt, welche durch die Person des Monarchen, die gemeinsame Aussenpolitik und die K. u. K. (Kaiserlich und Königliche) Armee verbunden waren. Diese politische Situation war auch in der Gestaltung der Münzen sichtbar. Zwar wurden die Geldstücke in der gleichen Währung und nach dem gleichem Standard (Wertabstufung und Metall) ausgegeben, doch die Motive der Münzen der Reichsteile unterschieden sich deutlich voneinander. Während die Münzen der österreichischen Landeshälfte jeweils auf der Rückseite den Doppeladler bzw. die Rudolfskrone zeigen, weisen die ungarischen Prägungen das mittlere ungarische Reichswappen auf, das die verschiedenen Wappen der einst im Königreich Ungarn vereinten Länder zeigt. Zudem ist auf ungarischen Kleinmünzen die Stephanskrone (nationales Symbol) abgebildet. Die Gestaltung des vorliegenden 10-Kronen-Stücks präsentiert das exemplarisch. Die Vorderseite wird vom stehenden König im ungarischen Krönungsornat (Kleid) mit geschultertem Zepter, dem Reichsapfel und der Stephanskrone dominiert, während die Rückseite das mittlere ungarische Reichswappen zeigt. Der ebenfalls von der Stephanskrone bekrönte Schild weist die Wappen von Dalmatien (drei Löwenköpfe), Kroatien (Schachbrettmuster), Slawonien (Marder nach links, darüber Stern), Siebenbürgen (halber Adler zwischen Halbmond und Sonne, darunter sieben Burgen), Bosnien-Herzegowina (Arm mit Krummschwert) und Fiume (heute Rijeka) (Doppeladler auf einem Krug, aus dem Wasser in einen Fluss mündet) auf, in deren Mitte der zweigeteilte ungarische Wappenschild mit den acht rotweissen Querstreifen für Alt-Ungarn und dem Doppelkreuz auf einem Dreiberg für Neu-Ungarn liegt.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1901
D. 19 mm
Gold, Prägung
T 6811
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 26.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1901–Present, Iola 2002, Nr. 485.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Heraldik