Münze: 10-Pesos-Stück der Republik Nueva Granada, geprägt in Bogotá (heute Kolumbien), aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «REPUBLICA DE LA NUEVA GRANADA». In Perl- und Linienkreis Frauenbüste mit am Hinterkopf mit Schleife gebundenem Haarband mit Inschrift «LIBERTAD» (Allegorie der Freiheit) nach links, darunter «1857».
Rs.: Umschrift: «BOGOTA . PESO – 16,400 . G .». In Perl- und Linienkreis von einem Kondor bekrönter spitzer Wappenschild der Republik Neugranada. Kondor mit ausgebreiteten Flügeln (Symbol der Freiheit), nach rechts blickend, mit einem Lorbeerkranz im Schnabel (Symbol des Siegs und Ruhms), hinter ihm über seinen Läufen ein Spruchband mit Aufschrift «LIBERTAD Y ORDEN» (Freiheit und Ordnung). In drei horizontale Felder geteilter Wappenschild, oben Granatapfel (Erinnerung an Nueva Granada, dem alten Namen für Kolumbien) zwischen Füllhörnern, in der Mitte Lanze mit phrygischer Mütze, unten mit zwei Segelschiffen, eines auf dem Pazifik, das andere auf dem Atlantik, dazwischen die Landenge von Panama (Symbol der Handelsbeziehungen von Kolumbien), Schild auf gekreuzten Lanzenfahnen, darunter die Angabe «LEI 0,900», von zwei Caducei (Hermes- oder Merkurstab, Symbol für Fruchtbarkeit und Reichtum) flankiert.
Die Republik Neugranada war von 1831 bis 1858 ein Staat, der wesentlich aus dem heutigen Kolumbien und Panama bestand. Beide Münzseiten betonen die Souveränität. Die dargestellten Freiheitssymbole verweisen auf den erfolgreichen Unabhängigkeitskampf gegen die Spanische Krone (1810–1819). Als Vorbild für die Gestaltung der Münzbilder dürften zeitgenössische US-amerikanische Goldmünzen mit der Büste der Freiheit sowie dem Weisskopfseeadler mit Wappenschild gedient haben. Während die Vorderseite die Allegorie der Freiheit in Form einer weiblichen Büste mit wie ein Diadem getragenem Haarband mit Schriftzug «LIBERTAD» (Freiheit) zeigt, präsentiert die Rückseite einen dreigeteilten Wappenschild, der von einem Kondor mit Schriftband überhöht ist. Der bewusste Rückgriff auf den einheimischen Vogel Kondor als Wappentier auf Münzen, ikonografisch in Anlehnung an den nordamerikanischen Weisskopfseeadler oder den europäischen Steinadler, zeigt das Selbstbewusstsein der jungen Republik, da diese ein bis zu diesem Zeitpunkt unbekanntes heraldisches Tier, mit eindeutigem Bezug zu Lateinamerika, für ihre neuen Münzen wählte. Wie der Adler in Europa und Nordamerika symbolisiert der Kondor, eine in den Andenstaaten verbreitete Geierart, Macht und Stärke. Die Wappenfiguren auf dem dreigeteilten Wappenschild beziehen sich symbolisch auf Wohlstand (Füllhörner), Handel (Schiffe) und Freiheit (Lanzenspitze mit phrygischer Mütze, dem Symbol der freigelassenen Sklaven im antiken Rom und der Republik).

Die Angabe des gesetzlichen Sollgewichts «PESO – 16,400 . G .» zusammen mit der Feingehaltsangabe «LEI 0,900 .» (LEI spanisch für Feingehalt) in der Umschrift der Münze verweist auf die wichtige Rolle, die solche Goldmünzen im internationalen Handel spielten. Für jeden auswärtigen Kaufmann sollte sofort das Gewicht und der hohe Feingehalt der Münze ersichtlich sein.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1857
D. 26.2 mm
Gold, Prägung
T 6841
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 11.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1801–1900, Iola 2001, Nr. 116.1.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Heraldik, Allegorie, Symbol, Tier