Münze: 1/2-Carolin-Stück des Kurfürstentums Bayern, geprägt in München zur Zeit des Kurfürsten Karl I. Albrecht (1726–1742), aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «C . A . V . B . & P . S . D . C . – P . R . S . R . I . A . & E . L . L .» (Carolus Albertus Utriusque Bavariae & Palatinatus Superioris Dux, Comes Palatinus Rheni, Sacri Romani Imperii Archidapifer & Elector Landgravius Leuchtenbergensis) (Karl Albrecht, Herzog beider Bayern (Ober- und Niederbayern) und der Oberpfalz, Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs, Erztruchsess, Landgraf von Leuchtenberg). In Strichelkreis Kopfporträt vom Kurfürsten Karl I. Albrecht nach rechts, mit einer Allongeperücke aus gelockten langen Haaren, darunter Münzstättenzeichen in Form eines sechsstrahligen Sterns.
Rs.: Umschrift: «IN TE SPERANTIB9 – CLYPEVS OMNIB9» (In Te Sperantibus – Clipeus omnibus) (In Dich [Gott] hoffen wir – [Du] Schild für alle). In Strichelkreis thronende Muttergottes von vorne, mit Kind, Zepter und Reichsapfel (Sinnbild für Maria als Himmelskönigin und Christus als Weltenherrscher), davor bekröntes bayrisches Wappen in ovalem Schild und umgeben von einer Ordenskette vom Goldenen Vlies, darunter die Jahreszahl «1729».

Die Ziffer «9» auf Münzen vor allem des 18. Jh. ist als Abkürzung der Endung «-us» oder «-ibus» zu lesen.
Eingefasst wird das bayrische Wappen von der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies. Das Goldene Vlies (Widderfell) bezieht sich auf einen Widder aus der griechischen Mythologie, der reden und fliegen konnte. Sein goldenes Fell soll im Hain von Ares, dem Gott des grauenvollen Krieges, aufbewahrt und schliesslich von den Argonauten (Heroen) geraubt worden sein.
1430 gründete Philipp von Burgund den Ritterorden vom Goldenen Vlies, wobei er das mythologisch aufgeladene Widderfell zum Symbol (Kleinod) des Ordens bestimmte. Schnell etablierte sich der Ritterorden des Goldenen Vlieses zur exklusivsten Gemeinschaft von Adligen in ganz Europa. Mit der Heirat von Maximilian von Österreich und Maria von Burgund, der Erbenkelin des Ordensgründers, ging die Zuständigkeit für den Orden 1477 an das Haus Habsburg über, das seit dem 16. Jh. in eine spanische und eine österreichische Linie geteilt war. Mit dem Aussterben der spanischen Habsburger im Jahr 1700 übernahmen die auf den spanischen Thron folgenden Bourbonen den Vorstand im spanischen Ordenszweig.
Auch Mitglieder des Hauses Wittelsbach, wie Kurfürst Karl I. Albrecht gehörten dem Orden an.
Die goldene Kette ist aus zwei plastischen alternierenden Kettengliedern aufgebaut, aus Feuersteinen mit je schwarz emaillierter Halbkugel mit weissen Tupfen und seitlich wegzüngelnden Feuerstrahlen sowie aus je zwei Feuereisen mit hakenförmigen ineinander gehängten Griffen. Feuerstein und Feuereisen illustrieren den Leitspruch des Ordens «Ante ferit quam flamme micet» (Zuvor der Schlag, dann glänzt die Flamme). Das Ordenssymbol entspricht dem plastischen Kettenanhänger in Form des Widderfells (Vlies).

Der in Frauenfeld geborene und in St. Gallen zum Kaufmann ausgebildete Kappeler sammelte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) einen umfangreichen Bestand an wertvollen Münzen. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mitbrachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1729
D. 22.5 mm
Gold, Prägung
T 6611
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 40–41.

Gerhard Schön, Deutscher Münzkatalog, 18. Jahrhundert, Paderborn 2002, Nr. 40.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Religion katholisch