Münze: 1/2-Franken-Stück der Schweizerischen Eidgenossenschaft, geprägt in Bern

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Vs.: In Perl- und Linienkreis und auf einer Bodenplatte stehende, nach links blickende Helvetia in Toga und mit Lorbeerkranz im Haar (Symbol des Siegs und Ruhms), welche die Schweiz repräsentiert und Unabhängigkeit, Freiheit, Neutralität und Einigkeit verkörpert, die Linke den Wappenschild in Renaissanceform mit dem Schweizerkreuz stützend, die Rechte einen Speer (Symbol der Wehrhaftigkeit) haltend, umringt von 22 Sternchen, stellvertretend für die 22 «Vollkantone» der Schweizerischen Eidgenossenschaft, unter Bodenplatte «HELVETIA», seitlich davon am Rand «A. BOVY», «INC[IDI]T» (hochgestelltes T) (incidit = hat gestochen).
Rs.: In Perl- und Linienkreis die Angaben «1/2 Fr. / 1920» in einem Kranz aus Alpenrosen (Alpenblume, Symbol für die Alpen bzw. die Schweiz als Alpenland) und Eichenzweigen (Symbol der Stärke, Treue und Einheit), unten mit Band mit Schleifen gebunden. Darunter «B», das Zeichen der Münzstätte Bern.
Im 16. Jh. kam der Begriff «Helvetia» als Bezeichnung für das Territorium der damaligen Schweiz auf, da die Eidgenossen als Nachfahren der Helvetier, eines keltischen Volksstamms, betrachtet wurden. Die Darstellung der Helvetia als Landesmutter trat im späten 17. Jh. in Erscheinung. Sowohl katholische wie protestantische Gläubige konnten sich mit der Allegorie identifizieren. Als eidgenössische überkonfessionelle und überregionale Leitfigur wurde sie im 19. Jh. wichtig, da sich die Bevölkerung im neuen Nationalstaat vor 1848 zunächst mit ihrem jeweiligen Kanton identifizierte. Als Verkörperung abgebildet oder als Begriff erwähnt, war Helvetia insbesondere auf Münzen und Briefmarken präsent. Nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats 1848 übernahm der Bund die Münzhoheit. Helvetia war nun ein Sinnbild für eine stabile Währung. Zuerst vor einem Alpenpanorama sitzend, ist sie seit 1874 stehend und mit einem Speer bewaffnet dargestellt.

Albert Walch, ein in Augsburg geborener und in Bern tätiger Modelleur und Zeichnungslehrer, schuf Vorlagen für Schützenfesttaler und Frankenstücke.
Walch, Albert (1816–1882), Maler, Entwerfer

Bovy, Antoine (1795–1877), Bildhauer, Münzgraveur, Medailleur
1920
D. 18.2 mm
Silber, Prägung
T 36614
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 309.

Tobias Scheidegger, Mythos Edelweiss, Zur Kulturgeschichte eines alpinen Symbols, Eine Dokumentation, recherchiert und verfasst im Auftrag der Botanischen Gärten Zürich und Genf, 2008. https://www.isek.uzh.ch/dam/jcr:00000000-1d25-814c-ffff-ffffdedb53f5/MythosEdelweiss.pdf, aufgerufen am 06.01.2024.

Georg Kreis, Helvetia (Allegorie), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.10.2014, aufgerufen am 28.12.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Allegorie, Heraldik, Symbol, Botanik