Münze: 20-Francs-Stück der Republik Frankreich, geprägt in Paris, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

zurück

Vs.: Umschrift: «RÉPUBLIQUE – FRANÇAISE». In Perl- und Linienkreis geflügelter grosser Genius (in der Antike ein Schutzgeist), auch als Engel bezeichnet, zwischen Liktorenbündel (Bündel aus Ruten, Symbol der Einigkeit) und gallischem Hahn, nach rechts stehend, eine auf einem Postament platzierte Tafel beschriftend, im Abschnitt kursiv der Name des Entwerfers: «Dupré».
Rs.: Umschrift: «LIBERTÉ ÉGALITÉ FRATERNITÉ» (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). In Perl- und Linienkreis geschlossener Eichenkranz (Symbol der Stärke, Treue und Einheit) dreizeilige Angabe: «20 / FRANCS / 1890», unten «(Füllhorn) A (Liktorenbündel)». (Füllhorn = Zeichen von Jean-Louis Ruau, Münzmeister der Pariser Münzstätte (1880–1891), A = Zeichen der Pariser Münzstätte, Liktorenbündel = Zeichen von Jean Lagrange, Graveur der Pariser Münzstätte (1880–1896).
Rand mit Schrift: «(drei Sterne) DIEU PROTEGE LA FRANCE» (Gott schütze Frankreich).
Die Goldmünze mit dem von Dupré entworfenen, stehenden und die französische Verfassung schreibenden Engel, erstmals während der Zweiten Französischen Republik (1848–1852) ausgegeben, wurde bis 1914 geprägt. 1848/49 und 1871–1906 wurde das Motiv auf 20-Francs-Stücken, 1878–1904 auf 50-Francs-Stücken, 1878–1914 auf 100-Francs-Stücken und 1889/89 auf 10-Francs-Stücken abgebildet.
Die Losung «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» war ein Leitprinzip der Aufklärung und entwickelte sich zur Kampfparole während der Französischen Revolution. Die französische Verfassung von 1848 verankerte sie als Gebot.

Der Gallische Hahn gilt als Nationalsymbol von Frankreich. Sein Ursprung ist uneindeutig, wird aber vermutlich auf die Ähnlichkeit des lateinischen Wortes «gallus» (Hahn) und der Bezeichnung «Galli» zurückzuführen sein. «Galli» oder Gallier waren für die Römer die keltischen Bewohnerinnen und Bewohner des Gebiets «Gallia». Gallien umfasste unter anderem auch das heutige Staatsgebiet Frankreichs. Während der Französischen Revolution erfreute sich der Hahn wegen seines Muts, seiner Wachsamkeit und Widerstandsfähigkeit wachsender Beliebtheit und wurde auf dem Siegel des Direktoriums abgebildet.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
Dupré, Augustin (1748–1833), Medailleur
1890
D. 21.2 mm
Gold, Prägung
T 6853
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 36.

Albert Niederer, Die Lateinische Münzunion, Katalog sämtlicher Münzen der 5 Unionsstaaten mit gesetzlicher Gültigkeit in der Schweiz von 1852–1927, Hilterfingen 1976, Nr. 120m.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Staatliche Institutionen, Symbol, Justiz, Tier, Botanik