Münze: 5-Franken-Stück der Schweizerischen Eidgenossenschaft, geprägt in Paris, aus der numismatischen Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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Vs.: Umschrift: «HELVETIA». In Perl- und Linienkreis sitzende Helvetia nach links (allegorische Figur, welche die Schweiz repräsentiert und Unabhängigkeit, Freiheit, Neutralität und Einigkeit verkörpert), die Linke auf den spatenförmigen Schild mit dem hochovalen Schweizer Wappen gelegt, die Rechte über das Alpenpanorama im Hintergrund ausstreckend. Hinter der Allegorie Sterzen des Pflugs und drei Ähren, vermutlich Weizen da ohne Grannen (Symbole der Prosperität). Links am Rand, oberhalb der Bergkulisse Name des Stempelschneiders im Gegenuhrzeigersinn «A. Bovy». Im Abschnitt Hand und Windhundkopf (Hand = Zeichen des Direktors der Pariser Münzstätte Charles-Louis Dierickx (1845–1860), Windhundkopf = Zeichen des Generalgraveurs Jean-Jacques Barre (1843–1855).
Rs.: In Perl- und Linienkreis die Angaben «5 Fr. / 1851» in einem unten mit Schleifen gebundenem Kranz aus Alpenrosen (Alpenblume, Symbol für die Alpen bzw. die Schweiz als Alpenland) und Eichenzweigen (Symbol der Stärke, Treue und Einheit). Darunter «A», das Zeichen der Münzstätte Paris.
Im 16. Jh. kam der Begriff «Helvetia» als Bezeichnung für das Territorium der damaligen Schweiz auf, da die Eidgenossen als Nachfahren der Helvetier, eines keltischen Volksstamms, betrachtet wurden. Die Darstellung der Helvetia als Landesmutter trat im späten 17. Jh. in Erscheinung. Sowohl katholische wie protestantische Gläubige konnten sich mit der Allegorie identifizieren. Als eidgenössische überkonfessionelle und überregionale Leitfigur wurde sie im 19. Jh. wichtig, da sich die Bevölkerung im neuen Nationalstaat vor 1848 zunächst mit ihrem jeweiligen Kanton identifizierte. Als Verkörperung abgebildet oder als Begriff erwähnt, war Helvetia insbesondere auf Münzen und Briefmarken präsent. Nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats 1848 übernahm der Bund die Münzhoheit. Helvetia war nun ein Sinnbild für eine stabile Währung. Zuerst vor einem Alpenpanorama sitzend, ist sie seit 1874 stehend und mit einem Speer bewaffnet dargestellt.

Marie Elise Bachmann (1879–1955) vermachte 1948 mittels Erbvertrag dem Kanton Thurgau Schloss Frauenfeld samt Hausrat sowie auch die umfangreiche Antiquitätensammlung ihrer Eltern. Ihr Vater Jakob Huldreich Bachmann (1843–1915), Politiker und Jurist, der 1896 Bundesrichter wurde, sammelte unter anderem Glasscheiben, Gemälde, Waffen und Möbel. Ein Sammlungsschwerpunkt waren auch Münzen, von denen er jedoch 1917 einen Teil verkaufte. Nach dem Tod von Marie Elise Bachmann (1955) übernahm der Kanton die Sammlung, die aus mehr als 90 numismatischen Objekten bestand. Das Schloss Frauenfeld wurde später zum Historischen Museum Thurgau umgestaltet.
Fisch, Friedrich, Entwerfer

Bovy, Antoine (1795–1877), Bildhauer, Münzgraveur, Medailleur
1851
D. 37.5 mm
Silber, Prägung
T 8098
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 295.

Tobias Scheidegger, Mythos Edelweiss, Zur Kulturgeschichte eines alpinen Symbols, Eine Dokumentation, recherchiert und verfasst im Auftrag der Botanischen Gärten Zürich und Genf, 2008. https://www.isek.uzh.ch/dam/jcr:00000000-1d25-814c-ffff-ffffdedb53f5/MythosEdelweiss.pdf, aufgerufen am 06.01.2024.

Georg Kreis, Helvetia (Allegorie), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.10.2014, aufgerufen am 28.12.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Staatliche Institutionen, Allegorie, Heraldik, Symbol, Botanik