Münze: 6-Kreuzer-Stück der Stadt St. Gallen, geprägt in St. Gallen, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Vs.: In Strichelkreis Umschrift: «MONETA . NOVA : S(T hochgestellt) : GALLENSIS (Lilienblüte).» (MONETA NOVA SANGALLENSIS, neue Münze der Stadt St. Gallen). In Linienkreis ein aufrecht stehender und heraldisch nach rechts schreitender Bär mit Halsband, darunter Münzmeisterzeichen «Z» (Zollikofer) in Oval.
Rs.: In Strichelkreis die Angaben «(Lilienblüte) VI (Lilienblüte) / (Lilienblüte) KREU (Lilienblüte) / (Lilienblüte) ZER (Lilienblüte) / 1790», darunter Münzmeisterzeichen «HGZ» (Hans Georg Zollikofer) zwischen Lorbeerzweigen (Symbol des Siegs und Ruhms), oben Rosette zwischen je zwei Punkten links und rechts.
Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigt einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
Zollikofer, Johann Hans Georg (1726–1800), Goldarbeiter, Münzmeister, Münzwardein, Probierer
1790
D. 25.5 mm
Billon, Prägung
T 36129
Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 176.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Herrschaft, Heraldik, Symbol, Botanik, Tier