Münze: Aes 2-Münze des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Treveri (heute Trier DEU) zur Zeit von Kaiser Constantinus I. (306–337 n. Chr.)

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Vs.: Umschrift: «IMP CONSTANTINVS AVG» (Imperator Constantinus Augustus). In Perlkreis Porträtbüste von Constantinus I. im Kürass und mit Lorbeerkranz (Symbol des Siegs und Ruhms), nach rechts.
Rs.: Umschrift: «SOLI INVIC – TO COMITI» (Dem Gefährten Sol Invictus). In Perlkreis stehender Sol (Sol Invictus, Sonnengott) mit Strahlenkrone nach links, die Weltkugel in der Linken haltend (Symbol der Herrschaft über grosse Teile der damals bekannten Welt und des Anspruchs auf globale Herrschaft, sowohl der Gottheit als auch des von Sol protegierten Kaisers Constantinus I.), Chlamys (Mantel) über der linken Schulter, die rechte Hand erhoben, darunter das Münzstättenzeichen «T = F // PTR.»
Dieses Aes, eine Kupfermünze, ist Sol, dem Gott des himmlischen Lichts gewidmet, der auf der Rückseite dargestellt ist. Der Sonnengott gestikuliert auffällig mit seiner Rechten, als würde er Befehle an Soldaten erteilen, was eigentlich zu den kaiserlichen Pflichten gehörte. Somit lässt Kaiser Konstantin diese höchste römische Gottheit mit kaiserlichen Zügen abbilden, womit sich Kaiser und Sol angleichen und der Kaiser in eine göttliche Sphäre gerückt wird. Konstantin verehrte den Sonnengott in einer besonderen Weise und bezeichnet ihn auf der Münze als Gefährten, weil auch christliche Römer und Römerinnen den Sonnengott anerkennen konnten, war doch der Kult für Sol eher monotheistisch geprägt.

Auf der Rückseite vorliegender Münze ist unter dem Sonnengott das Kürzel «PTR» angegeben, womit die 1. Werkstatt (P = prima officina) der Münzstätte Treveri (= TR) als Hersteller dieser Prägung angezeigt wird. Wichtige Münzstätten, wie Treveri, führten mehrere Werkstätten, die gleichzeitig aus dem ihnen zugewiesenen Metall Münzen prägten. Das Kürzel «T = F» bezieht sich auf eine bestimmte Emission. Dank dieser Angabe ist es in der Regel möglich, die Münzen exakt zu datieren.
Kaiser Constantius I. (zwischen 270 und 288–337), auch Konstantin der Grosse genannt, machte 307 Treveri, das heutige Trier, zu seiner Residenz- und zur Hauptstadt des Römischen Reichs. Treveri gehörte zu den produktivsten römischen Münzstätten. Diese entstanden im ganzen Imperium. Sie prägten Münzen bzw. Münzserien mit einheitlichem Münzbild. Um die Herkunft der Münzen zu überprüfen, wurden Münzstätten-Abkürzungen und weitere Kürzel (zumeist aus Buchstabenkombinationen) für die einzelnen Münzemissionen entwickelt. Ziel war es, die Kontrolle über die Qualität der Prägungen sicherzustellen. Im Fall von Produktionsfehlern konnte so die betreffende Münzstätte mit der jeweiligen Werkstatt ermittelt werden.

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
310–313 n. Chr.
D. 23.1 mm
Aes, Prägung
T 34763
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 55, Nr. 19.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Carol Humphrey Vivian Sutherland, From Diocletian's Reform (AD 294) to the Death of Maximinus (AD 313) (The Roman Imperial Coinage, Bd. 6), London 1967, Nr. 870.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol, Mythologie, Allegorie