Münze: Aes-2-Münze des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Trier zur Zeit von Kaiser Licinius (308–324 n. Chr.)

zurück

Vs.: Umschrift: «IMP LICINIVS P F AVG» (Imperator Licinius Pius Felix Augustus). In Perlkreis Kopfporträt von Kaiser Licinius mit Kürass und Lorbeerkranz (Symbol des Siegs und Ruhms), nach rechts.
Rs.: Umschrift: «GENIO – POP ROM» (Genio Populi Romani). In Perlkreis stehender Genius (Schutzgeist) nach links, bekleidet mit Modius (Hut) und Pallium (Manteltuch), in der Linken die Cornucopia (Füllhorn, Symbol des Überflusses und des Wohlstands) und in der Rechten die Patera (Opferschale, ein Sakralinstrument, Symbol der Pietät gegenüber den Göttern) haltend, Münzstättenzeichen «T = F // ATR».
Die Münze zeigt auf der Rückseite einen Genius, die Personifikation des Schutzgeistes des römischen Volkes, dem die Münze gemäss der Umschrift «genio populi romani» gewidmet ist. Damit spricht der Kaiser alle Bewohner und Bewohnerinnen des Reichs an und appelliert an die Gemeinschaft im römischen Herrschaftsgebiet.
Unter dem Genius des römischen Volks ist das Kürzel «ATR» angegeben, womit die 1. Werkstatt (= A) der Münzstätte Treveri (= TR) als Produktionsstätte der Prägung angezeigt wird. Wichtige Münzstätten, wie Treveri, führten mehrere Werkstätten, die gleichzeitig aus dem ihnen zugewiesenen Metall Münzen prägten. Das Kürzel «T = F» bezieht sich auf eine bestimmte Emission. Dank dieser Emissionskürzel ist es in der Regel möglich, die Münzen exakt zu datieren.
Über das ganze Römische Reich entwickelten sich Münzstätten, welche die Münzen bzw. Münzserien mit einheitlichem Münzbild prägten. Um die Herkunft des Gelds zu überprüfen, wurden Münzstätten-Abkürzungen und weitere Kürzel (zumeist aus Buchstabenkombinationen) für die einzelnen Münzemissionen eingeführt. Ziel war es, die Kontrolle über die Qualität der Prägungen sicherzustellen. Im Fall von Produktionsfehlern konnte so die betreffende Münzstätte mit der jeweiligen Werkstatt ermittelt werden. Treveri, das heutige Trier, war eine von mehreren Kaiserresidenzen und gehörte zu den produktivsten Münzstätten im Westen des Reichs.

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
316 n. Chr.
D. 21.9 mm
Aes, Prägung
T 34762
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 39, Nr. 104.77.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Patrick M. Bruun, Constantine to Licinius AD 313–337 (The Roman Imperial Coinage, Bd. 7), London 1966, Nr. 121.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol, Mythologie, Allegorie