Münze: Angster der Grafschaft Neu-Kyburg, geprägt in Burgdorf zur Zeit von Graf Hartmann III. von Kyburg (1357–1377)

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Brakteat, einseitig geprägte runde Silbermünze.

Vs.: In Wulstkreis schmaler Kopf nach links, flankiert von «B – V», (Burgdorf).
Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Trotz der heute runden Form, muss die Münze ursprünglich vierzipflig gewesen sein. Gründe für das Abschneiden der Zipfel waren entweder die illegale Silbergewinnung durch Private oder die formale Anpassung der Münze in einem fremden Währungsgebiet. Die vierzipflige Form ist im 13. und 14. Jh. typisch für die Pfennige des westalemannischen Raums, der die Nord- und Zentralschweiz (ohne den Bodenseeraum), den Breisgau und das Oberelsass umfasste. Sie unterscheiden sich durch ihre vierzipflige Form von den runden Bodenseebrakteaten, deren Verbreitungsgebiet sich rund um den Bodensee erstreckte und zeitweise zusätzlich das ganze Alpenrheintal (St. Galler Rheintal und Vorarlberg) bis nach Chur umfasste. Grund für die vierzipflige Form ist vielleicht der geringere Arbeitsaufwand bei der Herstellung der Schrötlinge (unbeprägter Münzrohling). Mit einem Hammerschlag auf das viereckige Silberplättchen (Schrötling), das auf dem Amboss liegt und zuvor vom Zain, einem länglichen Silberband in der richtigen Dicke und Grösse der zu prägenden Münze abgeschnitten worden war, wird der Randbereich nach aussen gewölbt, sodass die typische vierzipflige Form entsteht. Schaffhausen lag an der Grenze zwischen dem westalemannischen Währungsraum (vierzipflige Pfennige) und demjenigen des Bodenseeraums (runde Pfennige), so dass man für Schaffhausen sowohl vierzipflige als auch runde Pfennige aus diesem Zeitraum kennt.

Die vorliegende Münze zeigt als Symbolfigur das Brustbild des Münzherrn mit Hut nach links, zwischen den Buchstaben B – V für die Herrschaft Burgdorf, wobei das V als römisches U zu lesen ist. Das auf der Münze dargestellte Brustbild ist kein Porträt des Münzherrn, sondern ein Sinnbild für das Amt des weltlichen Herrschers, hier erkennbar am breitkrempigen Hut. Zeitgenössische geistliche Münzherren wie etwa die Bischöfe von Basel lassen sich auf ihren Münzen mit den Zeichen ihres geistlichen Amts, dem Krummstab und der Mitra, darstellen.
um 1370
D. 15 mm
Silber, Prägung
T 35943
Hans-Ulrich Geiger, Quervergleiche, Zur Typologie spätmittelalterlicher Pfennige, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 48, 1991, S. 108–123, Nr. 57.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Symbol