Münze: Angster der Grafschaft Neu-Kyburg, geprägt in Burgdorf zur Zeit von Graf Hartmann III. von Kyburg (1357–1377), aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Brakteat, einseitig geprägte runde Silbermünze.

Vs.: In Wulstkreis breiter Kopf nach links, flankiert von «B – V», (Burgdorf).
Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Die vierzipflige Form ist im 13. und 14. Jh. typisch für die Pfennige des westalemannischen Raums, der die Nord- und Zentralschweiz (ohne den Bodenseeraum), den Breisgau und das Oberelsass umfasste. Sie unterscheiden sich durch ihre vierzipflige Form von den runden Bodenseebrakteaten, deren Verbreitungsgebiet sich rund um den Bodensee erstreckte und zeitweise zusätzlich das ganze Alpenrheintal (St. Galler Rheintal und Vorarlberg) bis nach Chur umfasste. Grund für die vierzipflige Form ist vielleicht der geringere Arbeitsaufwand bei der Herstellung der Schrötlinge (unbeprägter Münzrohling). Mit einem Hammerschlag auf das viereckige Silberplättchen (Schrötling), das auf dem Amboss liegt und zuvor vom Zain, einem länglichen Silberband in der richtigen Dicke und Grösse der zu prägenden Münze abgeschnitten worden war, wird der Randbereich nach aussen gewölbt, sodass die typische vierzipflige Form entsteht.
Schaffhausen lag an der Grenze zwischen dem westalemannischen Währungsraum (vierzipflige Pfennige) und demjenigen des Bodenseeraums (runde Pfennige), so dass man für Schaffhausen sowohl vierzipflige als auch runde Pfennige aus diesem Zeitraum kennt.

Die vorliegende Münze zeigt als Symbolfigur das Brustbild des Münzherrn mit Hut nach links, zwischen den Buchstaben B – V für die Herrschaft Burgdorf, wobei das V als römisches U zu lesen ist. Das auf der Münze dargestellte Brustbild ist kein Porträt des Münzherrn, sondern ein Sinnbild für das Amt des weltlichen Herrschers, hier erkennbar am breitkrempigen Hut. Zeitgenössische geistliche Münzherren wie etwa die Bischöfe von Basel lassen sich auf ihren Münzen mit den Zeichen ihres geistlichen Amts, dem Krummstab und der Mitra, darstellen.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
um 1360
D. 16.3 mm
Silber, Prägung
T 35944
Hans-Ulrich Geiger, Quervergleiche, Zur Typologie spätmittelalterlicher Pfennige, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 48, 1991, S. 108–123, Nr. 37.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Symbol