Münze: Antoninian des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Rom zur Zeit von Kaiser Gallienus (253–268 n. Chr.)

zurück

Vs.: Umschrift: «GALLIENVS AVG» (Gallienus Augustus). In Perlkreis Porträtbüste von Kaiser Gallienus mit Strahlenkrone, nach rechts.
Rs.: Umschrift: «VIRTVS – AVG» (Virtus Augusti). In Perlkreis stehender Kriegsgott Mars nach links, in der Linken sein Attribut (ein Speer) und in der Rechten eine Weltkugel haltend (Symbol der Herrschaft über grosse Teile der damals bekannten Welt und des Anspruchs auf globale Herrschaft, sowohl der Gottheit als auch des Kaisers Gallienus).
Licinius Egnatius Gallienus (um 218–268) war ein römischer Kaiser während der langanhaltenden Staatskrise des Imperiums von 235 bis 284/85, die u.a. auf den schweren Auseinandersetzungen mit den Persern und Germanen beruhte. Diese führten dazu, dass die Reichsgrenzen einzig mittels standortgebundenen Truppen kaum mehr zu verteidigen waren. Gallienus reformierte daher das Militär, indem er eine mobile, in Mailand stationierte Armee aus schnellen Reitereinheiten aufbaute, die bei Einfällen an der Grenze punktuell einsetzbar war. Seine konfliktreiche unruhige Regentschaft forderte vom Kaiser als Feldherrn ein mutiges Kampfgebaren, wofür das Münzbild auf der Rückseite steht. Zum einen ist hier Mars abgebildet, der dafür sorgt, dass der Kaiser im Krieg einen Sieg davon trägt, zum anderen verweist die Umschrift «Virtus Augusti» auf die militärische Tapferkeit und Tüchtigkeit des Kaisers, womit soldatische Stärke und der Sieg sowie der daraus folgende Frieden propagiert wird.
Die Krone mit gezackten Strahlen auf einem Stirnreif sollte an Sonnenstrahlen erinnern und stammte aus dem Kontext des griechischen Sonnenkults. Die Darstellung eines Kaisers mit Strahlenkrone betonte seine übergeordnete, fast göttliche Position und unterstrich seine Autorität. Zusätzlich wurde das Kaiserporträt mit dieser Insignie zur Unterscheidung der Nominale im Römischen Kaiserreich verwendet, wobei die Abbildung des bekrönten Herrschers das Doppelstück kennzeichnete. Ein doppelter Antoninian hatte den Wert von zwei Denaren.

Der Antoninian war eine römische Silbermünze, die unter Kaiser Caracalla (211–217 n. Chr.) als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde. Die Bezeichnung «Antoninian» leitet sich vom eigentlichen Namen Caracallas, Marcus Aurelius Antoninus, ab und wurde im Mittelalter gebräuchlich. Nach neueren Forschungen soll der antike Name des Antoninians «Bicharactus» gewesen sein. Der Antoninian hatte eine Wertigkeit von nominal zwei Denaren, enthielt aber bereits bei seiner Einführung als Zahlungsmittel lediglich den Silberfeingehalt von eineinhalb Denaren. Der Antoninian entwickelte sich aufgrund der galoppierenden Inflation im 3. Jh. zur am häufigsten geprägten Münze im Römischen Reich, wobei Gewicht und Silbergehalt stetig sanken.
260–268 n. Chr.
D. 20 mm
Billon, Prägung
T 34720
Percy H. Webb, Valerian to Florian (The Roman Imperial Coinage, Bd. 5.1), London 1927, Nr. 317.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol, Mythologie, Allegorie