Münze: As des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Rom zur Zeit von Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) für seinen Bruder Germanicus

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Vs.: Umschrift: «GERMANICVS CAESAR . TI . AVG F DIVI AVG N» (Germanicus Caesar Tiberii Augusti Filius Divi Augusti Nepos). In Perlkreis Porträtkopf von Germanicus nach rechts.
Rs.: Umschrift: «TI CLAVDIVS CAESAR . AVG GERM P M TR P IMP P P» (Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, Tribunicia Potestate, Imperator, Pater Patriae). In Perlkreis «S – C» (Senatus Consultum) (auf Beschluss des Senats).
Der As, eine Kupfermünze, war Jahrhunderte lang die Hauptmünze (Urmünze) im antiken Rom. In der Kaiserzeit war auf seiner Vorderseite das Kopfbild des Herrschers abgebildet und auf der Rückseite die Deklaration «S C» (Senatus Consulto) geprägt. Die seit 269 v. Chr. gegossene Münze hatte ursprünglich das Gewicht einer römischen Libra (Pfund) (daher auch librales As genannt). Sie verlor laufend an Gewicht und wog letztendlich eine halbe Uncia (Unze). Ungefähr ab 175 v. Chr. wurde sie geprägt und nicht mehr gegossen. Die Münzreform von Kaiser August (63 v. Chr.–13 n. Chr.) deklarierte den As zur kleinsten Münzeinheit mit einem Wert von 1/16 Denar.

Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, so sein voller Name, wurde 10 v. Chr. in Lugdunum (Lyon) in eine bedeutende römische Familie geboren, als Enkel von Marcus Antonius. Seine körperlichen Leiden hinderten ihn vorerst an einer militärischen und politischen Karriere, weshalb er ein Leben als Gelehrter führte und mehrere Dutzend Schriften verfasste, wobei keines seiner Werke überliefert ist. 37 n. Chr. wurde er Konsul und nach der Ermordung seines Enkels Caligula schliesslich Kaiser. Seine politischen Leistungen waren beachtlich, sein Privatleben galt als verhängnisvoll, da er von seiner Ehefrau Agrippina vergiftet wurde. Seine Münzen liess er in Rom (ITA), Lyon (FRA), Ephesus (TUR) und Caesarea (ISR) prägen. Streng geordnete, bis zur Hälfte der Stirn reichende Locken und ein kleines rundliches Kinn charakterisieren sein Porträt auf den Münzen.

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
50–54 n. Chr.
D. 29 mm
Aes, Prägung
T 34564
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 52, Nr. 2.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Carol Humphrey Vivian Sutherland, From 31 BC to AD 69, Revised Edition (The Roman Imperial Coinage, Bd. 1), London 1984, Nr. 106.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt