Münze: As des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Rom zur Zeit von Kaiser Gaius (37–41 n. Chr.), auch als Caligula bekannt

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Vs.: Umschrift: «C CAESAR . AVG GERMANICVS . PON . M . TR . POT» (Caius Caesar Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, Tribunicia Potestate). In Perlkreis Porträtkopf des Kaisers Gaius nach links.
Rs.: Umschrift: «VESTA». In Perlkreis die sitzende Vesta, die Schutzgottheit des heiligen Herdfeuers, nach links, Patera (Opferschale, ein Sakralinstrument, Symbol der Pietät gegenüber den Göttern) und Zepter (Symbol für die Herrschaft) haltend, flankiert von «S – C» (Senatus Consultum) (auf Beschluss des Senats).
Gaius Julius Caesar (12–41 n. Chr) war von 37 bis 41 römischer Kaiser. Soldaten im Heerlager seines Vaters sollen ihn Caligula genannt haben, da dieser seinen Sohn Gaius dort Soldatenstiefelchen (Caligula) tragen liess. Die Vorderseite der Münze zeigt die Büste von Kaiser Gaius, umgeben von seinen Titeln wie «Augustus Germanicus». Diesen erbte er von seinem Vater, dem Feldherrn Nero Claudius Germanicus, der den Titel wiederum von dessen Vater Nero Claudius Drusus Germanicus übernommen hatte, welcher ein in Germanien erfolgreicher Heerführer war. Caligula gilt als ein besonders grausamer und grössenwahnsinniger Kaiser, dessen Leben 41 n. Chr. von seinem Umfeld ein jähes Ende gesetzt wurde. Zu seinen Titeln gehörte ebenso «Pontifex Maximus», eine Würde, die ihn als obersten Priester auszeichnete. In dieser Funktion oblag ihm die Aufsicht über den Kult der Vesta, einer römischen Göttin, die das staatliche heilige Feuer Roms sowie das Herdfeuer der Römer und Römerinnen beschützte. Ihr war ein Rundtempel im Zentrum von Rom geweiht, der nur von den Vestalinnen, den Priesterinnen, die den Tempeldienst zu Ehren der Göttin versahen, betreten werden durfte. Die kultischen Handlungen führten anfänglich sechs, später sieben Mädchen bzw. Frauen aus, die im Alter von sechs bis zehn Jahren in den Dienst eintraten und diesen dreissig Jahre lang ausübten. Kaiser Gaius übertrug mehreren Verwandten das Amt einer Vestalin. Für die Sicherheit von Rom spielte der Vestakult eine zentrale Rolle, denn das Erlöschen des Staatsfeuers hätte den Untergang des Reichs bedeutet. Erstmals auf einer Münze personifiziert dargestellt, wurde die Göttin Vesta auf Münzen, die Caligula 37/38 n. Chr. prägen liess – eine Ausgabe, zu der die vorliegende Münze gehört. Die Abbildung der Göttin steht für die Ehrfurcht und die Verbundenheit des Kaisers gegenüber dem Staatskult.

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
37–38 n. Chr.
D. 28 mm
Aes, Prägung
T 34563
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 52, Nr. 4.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Carol Humphrey Vivian Sutherland, From 31 BC to AD 69, Revised Edition (The Roman Imperial Coinage, Bd. 1), London 1984, Nr. 38.

Markus Mayer, Numismatisch-Ikonographische Untersuchungen zur Kommunikation und Selbstdarstellung des flavischen Kaiserhauses, Dissertation Universität Augsburg, 2010, S. 100–102.

Maria Posch, Priesterin im republikanischen Rom und im klassischen Athen im Vergleich, Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades einer Magistra der Geschichte, Karl-Franzens-Universität, Graz 2016.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol, Mythologie, Allegorie