Münze: Denar des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Rom zur Zeit von Kaiser Caracalla (211–217 n. Chr.)

zurück

Vs.: Umschrift: «ANTONINVS – PIVS AVG» (Antoninus Pius, Augustus). In Perlkreis Porträtbüste des Kaisers mit Lorbeerkranz (Symbol des Sieges und Ruhmes) nach rechts.
Rs.: Umschrift: «PART MAX PONT TR P III[I]» (Parthicus Maximus, Pontifex [Maximus], Tribunicia Potestate Quarta [zum 4. Mal Volkstribun]). In Perlkreis zwei an ein Tropaion (temporäres Siegesmal) angebundene klagende und trauernde Gefangene.
Die Darstellung eines Tropaions (Siegesdenkmal) auf der Rückseite der Münze bezieht sich auf die militärischen Erfolge von Kaiser Septimius Severus (193–211), dem Vater des auf der Münze abgebildeten Kaisers Caracalla. 195 und 197/198 gelang es Septimius Severus, die Parther an der Ostgrenze des Römischen Reiches zurückzuschlagen und die neue Grenze östlich des Euphrats (im heutigen Irak) zu verankern. Aufgrund dieser Erfolge führte er den Titel «PARTHICVS MAXIMVS» (grösster Besieger der Parther), der auf der rückseitigen Legende der Münze als «PART MAX» erscheint. Seinen Sohn Caracalla erhob er 197/198 zum Augustus, d. h. zum Mitregenten. Obwohl die Münze offiziell das Portrait des Caracalla zeigt, beziehen sich sowohl die Darstellung als auch die Umschrift der Rückseite auf die Taten seines noch amtierenden Vaters. Möglicherweise sollte damit der designierte und bereits mitregierende Nachfolger Caracalla in der Öffentlichkeit mit dem Ruhm seines Vaters in Verbindung gebracht werden.
Das Tropaion war ein häufig auf dem Schlachtfeld improvisiertes Siegesdenkmal, das in der Regel an der Stelle aufgestellt wurde, wo der Feind in die Flucht geschlagen worden war. Bestückt mit den Beutewaffen wie Schild, Schwert und Lanze sowie Rüstungsteilen und Helmen der Besiegten symbolisierte es den endgültigen Sieg über den Gegner.

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
201 n. Chr.
D. 19.2 mm
Silber, Prägung
T 34678
Catalog (Inventarium), Thurg. Hist. Sammlung, Hinteres Kantonsschulgebäude 3. Stock in Frauenfeld, Weinfelden 1890, S. 13.

Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 23, Nr. 66.50.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Harold Mattingly, Edward Allen Sydenham, Pertinax to Geta (The Roman Imperial Coinage, Bd. 4.1), London 1936, Nr. 54.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol